Brüssel - Die EU-Kommission wirft China und Vietnam vor, mit Dumpingpreisen den Markt für europäische Schuhmarken zu unterlaufen. In Deutschland kommen fast zwei Drittel aller Importschuhe aus den beiden Ländern. Deutsche Schuhimporteure haben bereits angekündigt, die Preisaufschläge an die Kunden weiterreichen zu wollen. Eine Schuhfabrik in Wenzhou. In der Stadt im Südosten Chinas gibt es über 4.500 solcher Manufakturen. 600.000 Paar Schuhe werden dort jedes Jahr produziert© Guang Niu/Getty Images BILD

Damit verteuert die EU alle Lederschuhe "Made in China" und "Made in Vietnam". Auch Kinderschuhe sind betroffen. Ausgenommen von den Strafzöllen sind lediglich Sportschuhe, die in Europa kaum noch hergestellt werden. Die Zölle gelten vorerst für eine Dauer von zwei Jahren. Die EU-Kommission wollte ursprünglich fünf Jahre durchsetzen. Für China wird eine Zusatzabgabe von 16,5 Prozent fällig, für Vietnam von zehn Prozent. Bereits seit April galten vorläufige EU-Strafzölle gegen die beiden Länder.

Die 25 EU-Staaten einigten sich nur mit einer hauchdünnen Mehrheit auf die umstrittenen Zölle. Während sich 13 Mitgliedsländer dafür aussprachen, waren zwölf dagegen. Bisher war eine Mehrheit von freihändlerischen Mitgliedstaaten - darunter auch Deutschland und Großbritannien - gegen dauerhafte Strafzölle aufgetreten. Diese Mehrheit war wegen Enthaltungen von Österreich und Zypern bei der Abstimmung der ständigen EU-Botschafter der Mitgliedstaaten nun nicht mehr zu halten. An der Spitze der Zollbefürworter steht Italien, wo es noch viele kleine Schuhhersteller gibt, die sich bedroht sehen. Auch Spanien und Portugal befürworten das harte Vorgehen. Sie sehen ihre heimischen Hersteller die asiatischen Billigschuhe bedroht.

Die EU-Staaten schwächten einen Vorschlag der EU-Kommission ab, die eine Dauer von fünf Jahren gefordert hatte. Offiziell angenommen werden soll der Beschluss beim Treffen der Justiz- und Innenminister am Donnerstag in Luxemburg.

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