Unter anderem geht es um das neue Langstreckenflugzeug A350. In einem Interview der Wirtschaftszeitung Financial Times Deutschland schloss EADS-Co-Chef Thomas Enders nicht aus, dass die Entwicklung der Maschine womöglich gestoppt wird. "Angesichts der schwierigen Situation, in der wir uns jetzt befinden und der Tragweite der A350-Entscheidung kann es keinen Automatismus geben." Die Entscheidung, ob die Entwicklung beginne, müsse sorgfältig geprüft werden und sei noch nicht gefallen. Das im Sommer vorgelegte A350-Konzept sei überzeugend und die Reaktion der Fluggesellschaften positiv. "Aber natürlich müssen wir für einen Programmstart Konzept und Ressourcen in Einklang bringen."

Airbus-Chef Christian Streiff sprach auch von Problemen beim Militärtransporter A400M. "Der Zeitplan steht auf der Kippe." Es gebe bei der Maschine intern und mit mehreren Zulieferern eine sehr "angespannte Situation". "Wir sind genau auf Kurs, aber haben keine Zeitreserven mehr", zitiert ihn die Financial Times .

Nach Ansicht von Streiff liegt der europäische Flugzeugbauer insgesamt bei der Entwicklung 15 Jahre hinter seinem US-Konkurrenten Boeing zurück. "Wir müssen aufholen", räumte Streiff ein. "Ich hoffe, in 15 Jahren sind wir wieder vor Boeing". Noch im vergangenen Jahr hatte sich Airbus gerühmt, den bis dahin führenden US-Konkurrenten dauerhaft überflügelt zu haben, was bei den Neubestellungen und Auslieferungen zeitweise auch gelang.

Mittlerweile steckt der Konzern jedoch tief in der Krise. Wegen technischer Probleme musste EADS eine weitere Lieferverzögerung beim A380 um ein Jahr ankündigen. Um die daraus resultierenden Gewinneinbußen auszugleichen und auf den schwachen Dollar-Kurs zu reagieren, plant das Unternehmen nun ein neues Sparprogramm über zwei Milliarden Euro. Das hat zu großer Unruhe insbesondere am deutschen Produktionsstandort in Hamburg und den dort Beschäftigten geführt. In der Branche wird spekuliert, dass die Fertigungsanteile für den doppelstöckigen A380 von Hamburg nach Toulouse verlagert werden könnten. Im Gegenzug könnte die Montage des kleineren A320 der Hansestadt zugeschlagen werden.

Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) kommt am Nachmittag in Berlin zu einem Krisengespräch mit dem neuen Airbus-Chef Christian Streiff zusammen. Glos hat von der EADS-Spitze eine faire Lösung angemahnt und verlangt, dass die gegenüber deutschen Standorten gemachten Zusagen eingehalten werden. Größter Airbus-Standort in Deutschland ist Hamburg. An dem Gespräch nimmt auch Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust (CDU) teil.

Der Hamburger Wirtschaftssenator Gunnar Uldall geht davon aus, dass der A380 weiterhin in Teilen in Hamburg gebaut werden wird. EADS könne den Vertrag mit der Stadt nicht aus "wirtschaftlichen Gründen" kündigen, sagte der CDU-Politiker der Frankfurter Rundschau . Dies sei "klar festgeschrieben". Zudem würde die Verlagerung das Risiko bergen, dass sich die Auslieferung weiter verzögere. Uldall plädierte dafür, dass der Bund über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) Anteile an EADS kauft. Das Gleichgewicht zwischen Frankreich und Deutschland müsse Voraussetzung bleiben bei dem grenzüberschreitenden Projekt. Regierungssprecher Wilhelm hatte am Mittwoch nicht ausgeschlossen, dass sich der Bund an dem Konzern beteiligt. Akut stehe das aber nicht an.

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