So wie die drei Herren am Donnerstag in Berlin vor die Presse traten, schienen sie mit ihrem vorausgegangenen Gespräch rundum zufrieden. Wirtschaftsminister Michael Glos blickte weniger grimmig als sonst, Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust demonstrierte Gelassenheit und Überraschungsgast Thomas Enders war schon von Amts wegen verpflichtet, Zuversicht zu verbreiten. Das Trio hatte über die Zukunft des Problem-Riesenfliegers Airbus 380 und dessen Produktionsstandort Hamburg diskutiert. Eigentlich war der französische Airbus-Chef Christian Streiff in Berlin erwartet worden. Aber dann kam mit Enders einer der beiden Bosse der Muttergesellschaft EADS persönlich. Der hörte natürlich mit Genugtuung, was Minister Glos als Devise verkündete: "Ich habe volles Vertrauen in das Handeln des Managements."

Natürlich sind solche Auftritte stets mehr oder weniger überzeugende Inszenierungen. Diesmal sollte die Botschaft wohl heißen: Keine Gefahr für die Arbeitsplätze in Hamburg, auch wenn vieles bei Airbus nicht so läuft, wie es laufen sollte. Doch eine solche Aussage ist zumindest ein bisschen voreilig. Bezeichnend, dass Enders ein "klares Bekenntnis zu Hamburg" ablegte, gleichzeitig aber keinen Zweifel daran ließ, dass es ihm und seinen Kollegen bei EADS und Airbus primär um eine Reduzierung der Kosten geht. Das heißt zwangsläufig, dass die alles andere als rational über halb Europa verteilte Airbus-Produktion neu organisiert werden muss. Einzelne Flugzeugteile oder halbfertige Airbusse kreuz und quer durch Europa zu transportieren, kann nicht produktiv sein.

Wenn Enders sich zur "Balance in Europa" bekannte, ist dennoch klar: Hamburg wird bei einer Restrukturierung der Herstellung nicht ungeschoren davon kommen, weder bei den Arbeitsplätzen noch beim Prestige. Niemand gibt heute eine Garantie dafür ab, dass der A380 in Hamburg wie geplant fertiggestellt und teilweise auch ausgeliefert wird. Man kann sich die Wut und die Häme vorstellen, die über den Senat der Hansestadt hereinbrechen werden, falls sich bald herausstellt, dass der Kampf um die erweiterte Start- und Landebahn völlig sinnlos war, weil sie mangels Großraumflugzeug gar nicht benötigt wird. Da hilft es auch nichts, dass Enders einen neuen Rekord für Hamburg verkündete: Rund 170 Flugzeuge werden bis zum Ende dieses Jahres die Hallen im Stadtteil Finkenwerder verlassen. Eine Garantie für die Zukunft ist das nicht.

Es ist aber auch klar, dass es bei Airbus nicht so weitergehen konnte wie bisher. Enders verwies auf Managementfehler im eigenen Haus, die seit Jahren nicht korrigiert wurden. So war peinlich zu beobachten, wie bei der Besetzung von Spitzenpositionen bei EADS wie bei Airbus deutsch-französische Rivalitäten immer wieder und auch zuletzt eine größere Rolle spielten als Kompetenz und klare Entscheidungswege. Das hält auf Dauer kein Unternehmen aus, und sei es noch so profitabel. So profitabel wie Airbus, hieß es noch vor ein paar Monaten, als der Sieg über den Erzkonkurrenten Boeing und gleichzeitig ansehnliche Gewinne gefeiert wurden. Der schöne Schein ist plötzlich weg, Boeing liegt bei den Bestellungen wieder vorn und von Airbus-Gewinnen wird wohl eine ganze Weile keine Rede mehr sein. Der Zwang, das Projekt Airbus auf solide Beine zu stellen, ist damit so groß, dass radikale Veränderungen von allen als unumgänglich akzeptiert werden.

Apropos Projekt Airbus: Es war immer politisch und entsprang dem Ehrgeiz, den USA den Flugzeug-Markt streitig zu machen. Und es war immer zunächst ein Anliegen Frankreichs, bevor Deutschland, Großbritannien und Spanien sich der ehrgeizigen Idee anschlossen. Da nun der Standort Hamburg in Bedrängnis gerät, wird auch der Vorwurf laut, Paris mit seinen industriepolitischen Überzeugungen wolle die Standorte im eigenen Land zum Schaden des deutschen Nachbarn festigen und beispielsweise die gesamte A380-Herstellung in Toulouse konzentrieren. Dafür gibt es vorerst keine Belege, und es wäre gut, wenn sich die Regierungen in Paris und Berlin zurückhielten, bevor sie noch mehr Schaden anrichten.

Forderungen nach einer Beteiligung der Bundesrepublik am Kapital von EADS zur Sicherung eines Einflusses auf Airbus sind deshalb wenig hilfreich. Privatwirtschaftliches Unternehmertum sei die Voraussetzung für den Erfolg von Airbus, sagte Thomas Enders und erntete beifälliges Kopfnicken bei Michael Glos. Eine weise Erkenntnis. Genau wie die, dass der Airbus nur dann zu einem neuen Höhenflug ansetzen kann, wenn sich Paris und Berlin nicht wie schon so oft über der Frage zerstreiten, ob es Sache der Wirtschaft oder des Staates ist, industriepolitische Erfolge zu erzielen.

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