Der Rücktritt kam selbst für seine engsten Mitarbeiter völlig unerwartet. Gerade noch hatte Christian Streiff, der vielgelobte neue Chef von Airbus, die Marschrichtung für die radikale Erneuerung der Produktion vorgegeben, da schmiss er seinen Job hin. Intern tat er das schon am vergangenen Mittwoch, seitdem ist Streiff nicht mehr öffentlich in Erscheinung getreten. Beim Treffen mit Bundeswirtschaftsminster Michael Glos am vergangenen Freitag fehlte er ohne Begründung, am Wochenende schließlich wurden die Gerüchte zur Gewissheit.

Gleichwohl verkündeten der französische Premier Dominique de Villepin, sein Wirtschaftsminister Thierry Breton und auch der französische Co-Chef des Mutterkonzerns EADS, Louis Gallois, unverdrossen, sie wollten Streiff um jeden Preis halten und sie würden ihm jede Unterstützung für sein iSAnierungsprogramm geben. Dass sie sich zunächst weigerten, seine Kündigung anzunehmen, hatte einen klaren Grund. Denn damit wäre das peinliche Eingeständnis verbunden, dass sie sich bei der Wahl des Mannes, der erst im Juli angetreten war, heftig geirrt hatten.

Streiff galt schon vorher als impulsiv, unberechenbar und wenig diplomatisch. Sein brüsker Abschied hat jedoch einen klaren Grund: Anders als der frühere Airbus-Chef Noel Forgeard, der Airbus als Zugpferd der Luftfahrt- und Rüstungs-Holding EADS zum Hauptelement des Konzerns machen wollte und sogar den EADS-Titel zugunsten der Flugzeugmarke streichen wollte, schlug Streiff die Gegenrichtung ein. Ihm mangelte es an Autonomie in der Holding, und die Pläne, Airbus noch stärker in die EADS zu integrieren, was enorme Verpflichtungen an Transparenz und konzerninterne Berichterstattung bedeute hätte, waren ihm ein Gräuel.

Streiffs Verdienst war unbezweifelbar, dass er als ehemaliger Vizechef des Baustoffkonzerns Saint Gobain von Außen kam und die betriebswirtschaftlichen Schwachstellen bei Airbus schonungslos aufgedeckt hat. Dort waren nämlich nach dem Höhenflug des Auftragsbooms und der zehnprozentigen Gewinne bis 2004 die Sicherungen durchgeknallt, was Kontrolle und Modernisierung der Fertigung anging. Jetzt steht auch die deutsch-französische Managment-Spitze der EADS unter Beschuß, die sich zu lange um die Wachstumsprobleme bei Airbus nicht gekümmert hatte. Was am schwersten wiegt: Noch macht Airbus trotz der Verluste beim Großraumflieger A380 gute Gewinne. Wenn sich das Management der EADS nicht aufrappelt und auch die beständigen politischen Störmanöver aus Paris und Berlin nicht abwehrt, wird auch ein neuer Airbus-Chef das Unternehmen nich vor roten Zahlen retten können.