Der Co-Chef von EADS, Thomas Enders, versicherte nach einem Treffen mit Wirtschaftsminister Michael Glos und Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust am Donnerstag in Berlin, dass die Zusagen an die Produktion in Deutschland eingehalten würden. Sein Unternehmen lege "ganz klar ein Bekenntnis" zu Hamburg ab, wo der deutsche Hauptproduktionsstandort ist. Enders trat damit Spekulationen entgegen, EADS werde die Produktion des A380 wegen der Krise im Konzern und der erneuten Verzögerung bei dem Riesenflieger ganz nach Toulouse verlagern.

Konkrete Aussagen zum Umfang des möglichen Stellenabbaus in der Hansestadt wollte Enders noch nicht treffen. Er räumte ein, dass die Krise bei Airbus "hausgemachte" Fehler des früheren Managements seien. Diese könnten nicht in den nächsten 14 Tagen gelöst werden. Man werde die Fehler nur über einen längeren Zeitraum wieder in den Griff bekommen, sagten Enders und Glos übereinstimmend. Deshalb solle nichts überstürzt werden.

Der EADS-Chef kündigte an, dass die Details des Sanierungsplans erst in den kommenden Monaten ausgearbeitet würden. Bevor Beschlüsse getroffen würden, werde es weitere Absprachen mit der Bundes- und Landesregierung geben, versicherte er.

Das Krisentreffen in Berlin war kurzfristig anberaumt worden, nachdem EADS eine erneute Verzögerung der Auslieferungstermine für den A380 bekannt gegeben hatte. Eigentlich sollte Airbus-Chef Christian Streiff daran teilnehmen, dann kam aber statt seiner sogar der Co-Konzernchef - offenbar um zu zeigen, wie ernst EADS die Sorgen in Deutschland nimmt.

Glos und von Beust zeigten sich mit den Zusagen von Enders zufrieden. Er habe "volles Vertrauen" in das Airbus-Management und sehe den Standort Hamburg nicht in Gefahr, sagte Glos. Von Beust betonte, ihm sei es wichtig gewesen zu hören, dass die bestehende "gute Balance" zwischen den Standorten Hamburg und Toulouse erhalten bleiben solle.

Verteidigungsminister Franz Josef Jung kündigte unterdessen an, dass er am Auftrag für 60 Transportmaschinen des Typs A400M festhält und nicht mit einer Verzögerung durch Airbus rechnet. In Gesprächen mit der Airbus-Führung sei ihm stets versichert worden, der Lieferzeitpunkt 2010 werde eingehalten. Airbus-Chef Christian Streiff hatte zuvor gesagt, auch beim A400M stehe der Zeitplan "auf der Kippe" .

Jung wollte über etwaige rechtliche Möglichkeiten im Falle einer Verzögerung nicht spekulieren, deutete aber an, dass der Vertrag keine Ausstiegsklausel im herkömmlichen Sinne enthält. Der A400M ist eine europäische Gemeinschaftsentwicklung, Deutschland ist größter Kunde. Das Volumen der deutsche Order von 60 Maschinen beläuft sich Medienberichten zufolge auf 8 Milliarden Euro.

Wegen der Lieferprobleme beim A380 drohen EADS jetzt auch Schadenersatzforderungen von Anlegern. Im Auftrag eines Privatanlegers sei eine Schadenersatzklage beim Landgericht Frankfurt eingereicht worden, teilte die Münchner Kanzlei Rotter Rechtsanwälte am Donnerstag mit. Nach der Kanzlei vorliegenden Informationen habe bereits am 25. Februar dieses Jahres festgestanden, dass es zu Lieferverzögerungen von mindestens 18 Monaten und zu damit einhergehenden Ergebniseinbrüchen in den Jahren 2006 bis 2010 kommen werde. Diese "Insidertatsache" sei vollständig aber erst mit einer Ad-hoc-Mitteilung vom 3. Oktober veröffentlicht worden.

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