Nun ist es doch noch passiert: Der Dow Jones hat endlich seinen Rekord vom Januar 2000 gebrochen – und das gleich an drei Tagen hintereinander. Die Freude darüber fiel allerdings verhalten aus, zumindest im Vergleich zu der Welle an Sonderberichterstattungen in vergleichbaren Situationen zuvor. Die Öffentlichkeit nahm den neuen Höchststand zur Kenntnis, das war's. Weder wurde der Höhenflug als Beginn einer neuen Rallye aufgefasst, noch schlossen sich die anderen Indizes dem Dow an.

Sie sind auch noch viel zu weit von den Kursen von 2000 entfernt. Zwar streben auch Dax , Euro Stoxx , Nasdaq oder Standard & Poor's 500 nach oben, und manche der Leitindizes erreichten neue Jahreshöchststände.

Dennoch, und das kann nicht oft genug wiederholt werden: Es kommt einfach kein richtiger Zug nach oben in die Kurse . Die Anleger sind derzeit sehr pessimistisch und weit entfernt von jeder Euphorie. Trotz der jüngsten Rekorde ist das nur zu verständlich, denn die fundamentalen Aussichten und die technischen Rahmenbedingungen sind nun einmal nicht sehr verlockend. Die Indikatoren der technischen Analysten deuten auf eine überkaufte Situation hin, die in der Regel nur durch eine vorübergehende Kurskorrektur nach unten wieder beseitigt werden kann. Und die fundamentalen Rahmendaten geben den Börsianern erst recht allen Grund zur Vorsicht: Die Konjunkturerwartungen sind im Keller wie schon lange nicht mehr, und zugleich trüben sich die Daten, die die aktuelle Situation abbilden, immer weiter ein. Das gilt sowohl für die USA als auch für Euroland.

Trotz alledem macht die Europäische Zentralbank keine Anstalten, die negativen Erwartungen der Investoren zu übernehmen. Im Gegenteil, sie erhöhte in der vergangenen Woche den Leitzins und signalisierte zugleich, im Dezember die Zinsschraube ein weiteres Mal fester zu drehen. In den USA ist die Situation hingegen etwas unsicherer. Zwar fordern auch dort manche Vertreter der Zentralbank trotz der trüben Konjunkturaussichten weitere Zinserhöhungen. Andere aber weisen bereits darauf hin, dass die Zinsen auch wieder kräftig gesenkt werden können, sollten reale Konjunkturdaten die schlechten Erwartungen bestätigen.

Fed-Chef Ben Bernanke wiederum vertritt eine Meinung irgendwo dazwischen. Zwar bescheinigt er dem Immobilienmarkt der USA eine gewisse Schwäche, doch er glaubt, sie werde der US-Wirtschaft nicht allzu sehr schaden: Nur einen einzigen Prozentpunkt müsse man wegen der Immobilienflaute in den kommenden Monaten vom Wirtschaftswachstum abziehen, sagte er. Außerhalb des Bausektors aber sei die Konjunktur robust wie eh und je.

Das ist eine recht mutige Haltung, denn der Marktwert der Immobilien bestimmt in den USA ganz wesentlich die Höhe des Privatvermögens und damit den Wert der Sicherheiten, welche die Konsumenten für Kredite einsetzen können. Schwächelt der Immobiliensektor, wird sich das in den Geldbeuteln der Konsumenten und den Kreditportfolien der Banken bemerkbar machen. Hinzu kommt, dass die Ansteckungsgefahr im Winter steigt. Das gilt für die Grippe genauso wie für konjunkturelle Zusammenhänge.