Ihre Mutter hätte ihr immer abgeraten, Schriftstellerin zu werden. Zwar habe sie als Kind sehr viel gelesen, mit dem Schreiben aber erst begonnen, als sie studierte. Ihr Debütroman Hullabaloo in the Guava Orchard (deutscher Titel: Der Guru im Guavenbaum ) erschien 1998. Seitdem arbeitete sie an ihrem Zweitling. Ihre Mutter sei "wohl der einzige Mensch, der emotional verstand", was sie durchgemacht habe – und entsprechend groß sei ihre Dankbarkeit. In der Nacht zum Mittwoch wusste Anita Desai allerdings noch nichts vom Erfolg ihrer Tochter. "Sie ist in einem kleinen, indischen Dorf ohne Telefon und Fernsehen", sagte Kiran Desai.

Zwar spielt Desais Roman in den 1980er Jahren, bezieht sich aber auf die Gegenwart. "Ich denke, es ist derzeit eine schwierige Zeit in den USA für einen Fremden, für einen Einwanderer, für jemanden, der nicht aus dem Westen kommt", sagte Desai, ohne deutlicher zu werden, "man fühlt sich verpflichtet, etwas zu sagen." Dass das Buch auch in den USA gut aufgenommen wurde, zeige aber, dass es keine einheitliche Strömung der Ausgrenzung gebe – es sei, wiederholte Desai, eben eine "schwierige Zeit".

Ein neues Buch hat sie noch nicht begonnen. In welche Richtung es gehe, sei noch nicht ausgemacht: "Bei mir hängt so viel vom Prozess des Schreibens ab, es ist unmöglich vorauszusagen."

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