War es eine Atombombe? Was für eine? Oder haben die Nordkoreaner am Montagmorgen nur konventionellen Sprengstoff gezündet? Jene Politiker, die über Sanktionen gegen Nordkorea beraten, wüssten das gerne genauer. Aber von den Wissenschaftlern, die nun über Seismogrammen und Messprotokollen brüten, bekommen sie derzeit noch keine eindeutige Antwort.

Einig sind sich die Geologen darüber, dass es in der Region Punggye-yok am Montagmorgen um 3:35 Uhr deutscher Zeit heftig gerumst haben muss. Das ergeben die Auswertungen von Erdbebensensoren, die an das globale Messnetz der UN-Organisation CTBTO angeschlossen sind. Russische und deutsche Seismologen haben daraus ein Ereignis der Magnitude 4.0 berechnet, ihre amerikanischen Kollegen schätzen einen Wert von 4.2 auf der Erdbebenskala.

Auch über die Sprengkraft sind sich die Forscher weitgehend einig, sie entspricht einer halben bis einer Kilotonne TNT. (Zum Vergleich: Die Hiroshima-Bombe hatte eine Sprengkraft von rund 13 Kilotonnen TNT.) Die deutschen Seismologen von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe in Hannover (BGR) schließen aus der Magnitude von 4.0 auf eine Sprengkraft von einer Kilotonne TNT, wenn sie für die Sprengregion ein hartes Gestein annehmen. Da um Punggye-yok Bergbau betrieben wird, gilt dies als wahrscheinlich.

Die Behauptung des russischen Verteidigungsministers Sergei Lawrow, Nordkorea habe eine Sprengladung zwischen 5 und 15 Kilotonnen TNT gezündet, bezeichnet Winfried Hanka vom Geoforschungszentrum Potsdam als „absolut ausgeschlossen“. Solch eine Ladung hätte stärkere seismische Wellen ausgelöst – außer, sie wäre im Zentrum einer großen Höhle gezündet worden. Dafür jedoch hätte man viel Erde ausräumen müssen, und das hätte man auf Satellitenbildern erkannt, meint Hanka.

Waffenexperten wundern sich allerdings darüber, dass die Sprengladung so klein war. Alle Staaten, die heute über Atomwaffen verfügen, haben ihre Tests mit größeren Mengen begonnen.

Hat Nordkorea vielleicht doch nur einen konventionellen Sprengsatz gezündet? Anhand der Erdbebenwellen könne man nicht erkennen, welcher Art die Sprengung war, sagt Nicolai Gestermann von der BGR. Vor einigen Jahren haben BGR-Seismologen an einem Versuch auf dem Testgelände in Nevada teilgenommen, bei dem eine chemische Explosion mit einer Sprengkraft von einer Kilotonne TNT gezündet wurde. Nach ein paar Kilometern Entfernung hätte man die seismischen Signale nicht mehr von den Erschütterungen einer Kernwaffenexplosion gleicher Stärke unterscheiden können, sagt Gestermann.