Trotz intensiver Beratungen zeichnet sich im Weltsicherheitsrat noch kein Durchbruch bei der geplanten UN- Resolution zum Atomwaffentest in Nordkorea ab. Die fünf Vetomächte und Japan beendeten ihre Gespräche am Dienstagabend ohne eine Einigung. Die Beratungen über einen US-Resolutionsentwurf, der ein Waffenembargo und scharfe Wirtschaftssanktionen gegen das kommunistische Regime in Pjöngjang vorsieht, sollen am Mittwoch fortgesetzt werden. Unterdessen sorgte am Mittwochmorgen ein japanischer Fernsehbericht über einen angeblichen zweiten Atomtest Nordkoreas für Aufregung.

Die Regierungen Japans und Südkoreas wiesen den Bericht des japanischen Senders NHK umgehend zurück. Der japanische Ministerpräsident Shinzo Abe erklärte, ihm lägen keine Informationen vor, die einen solchen Test bestätigen könnten. Auch das Präsidentenbüro in Seoul dementierte den Bericht. Japans Außenminister Taro Aso sagte allerdings, ihm lägen Informationen vor, wonach Nordkorea noch im Laufe des Mittwochs einen weiteren Atomtest unternehmen könnte, wie die japanische Nachrichtenagentur Jiji Press berichtete. Der japanische Sender NHK hatte am Morgen gemeldet, dass die japanische Regierung prüfe, ob Nordkorea nach dem am Montag gemeldeten ersten Atomtest einen weiteren Test unternommen habe.

Andererseits gibt es in japanischen Regierungskreisen sogar Zweifel an der Behauptung Nordkoreas, der Test vom Montag sei erfolgreich gewesen. Wie die japanische Nachrichtenagentur Jiji Press am Mittwoch berichtete, glauben manche Vertreter der Regierung sowie der Regierungspartei LDP, dass die am Montag im Nordosten Nordkoreas festgestellten seismischen Wellen nicht von einem Atomtest verursacht wurden. Die Menge an radioaktiven Substanzen bei einem Atomtest sei normalerweise am ersten Tag am höchsten. Doch bisher sei keine Radioaktivität festgestellt worden, zitierte Jiji einen nicht genannten Beamten des Außenministeriums.

Einem Vertreter der regierenden Liberaldemokratischen Partei (LDP) zufolge dürfte es mindestens einige weitere Tage benötigen, bis Japan, die USA und andere Länder verifizieren könnten, ob Nordkorea überhaupt einen Atomtest durchgeführt habe. Es sei gut möglich, dass die Behauptung Pjöngjangs gar nicht zutreffe. Die Skepsis in Japan wie auch in anderen Ländern rühre auch daher, dass die beobachteten seismischen Wellen relativ klein gewesen seien, hieß es weiter.

Auch die französische Verteidigungsministerin Michèle Alliot-Marie meldete erneut Zweifel an, dass Nordkorea überhaupt erfolgreich eine Atombombe getestet hat. "Sollte es sich um einen Atomtest gehandelt haben, dann ist die Explosion jedenfalls schief gegangen", sagte sie dem Radiosender Europe 1.

Nordkorea selbst teilte mit, weitere Atomtests würden vom Verhalten der USA abhängig gemacht. Das sagte Kim Yong Nam, der zweite Mann in der Führung des kommunistischen Landes, am Mittwoch in einem Gespräch mit der japanischen Nachrichtenagentur Kyodo in Pjöngjang. Man betrachte die Politik der USA gegenüber Nordkorea als wichtigsten Faktor in der Frage, ob Nordkorea zu den Sechs-Länder-Gesprächen über sein Atomprogramm zurückkehre. Es war das erste Mal, dass sich ein Spitzenvertreter des Regimes in Pjöngjang zu dem am Montag vermeldeten Atomtest äußerte.

Die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap zitierte unterdessen einen Vertreter Nordkoreas in Peking, dass die Regierung in Pjöngjang strikte Sanktionen des Weltsicherheitsrats gegen sein Land als Reaktion auf den Atomtest als "Kriegserklärung" auffassen würde. Der Nordkoreaner habe jedoch betont, dass er seine persönliche Meinung widergebe.

Die USA bekräftigten am Dienstag ihre Haltung, keine Militäraktionen gegen Nordkorea zu planen. US-Außenministerin Condoleezza Rice warnte das kommunistische Regime in Pjöngjang in einem Interview des US-Senders CNN jedoch davor, ihre Drohung wahr zu machen und eine Rakete mit Atomsprengkopf abzuschießen. "Die Nordkoreaner haben keinen Zweifel daran, was das Abfeuern einer Atomwaffe auf die USA, einen unserer Verbündeten oder jemanden in ihrer Nachbarschaft bedeuten würde", sagte Rice. Zuvor hatte die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap berichtet, ein nordkoreanischer Vertreter in Peking habe diese Drohung geäußert, einen solchen Schritt aber "vom Verhalten der USA abhängig" gemacht.