Und jetzt? Angekündigt war die nordkoreanische Nuklearexplosion immerhin, und allenthalben rechnete man mit ihr. Aber es zeigt sich in der Politik eben stets ein fühlbarer Unterschied zwischen der Wahrscheinlichkeit eines Ereignisses und seiner Wirklichkeit. Wir kennen das von Wahlergebnissen. Also, trotz aller vorhergehenden Analysen: Jetzt ist eine neue Lage eingetreten, unabhängig davon, ob der Atomtest erfolgreich oder, technisch gesehen, ein Fehlschlag war (was die Washington Times fachkundig erörtert).

Neue Lage, ja, und zuvörderst für Südkorea. Der Korea Herald fordert, sofort alle Hilfeleistungen für den Norden einzustellen. Diese hätten sich bereits auf einen Wert von zwei Milliarden US-Dollar aufsummiert und den Zweck gehabt, den Zusammenbruch Nordkoreas zu verhindern, unter dem der Süden arg gelitten hätte. Die Hilfe fortzusetzen hieße indes, der "nuklearen Erpressung" nachzugeben; stattdessen müsse sich Südkorea "auf alle Eventualitäten vorbereiten". Ein Kommentar, aus dem Hilflosigkeit gelesen werden kann, und in der Tat liegt der Schlüssel für das Problem nicht in Seoul.

In Japan auch nicht. Eher wird das Land Teil des Problems, nämlich wenn es sich zur Abschreckung nuklearer Abenteurer aus Pjöngjang eigene Kernwaffen zulegen sollte. Eine Suche in japanischen Medien dieses Dienstags indes ergibt - nichts. Nur Nachrichten, keinen Kommentar. Der Präsident kommt gerade aus Südkorea zurück. Vielleicht deshalb die Zurückhaltung, aus Höflichkeit?

Zur Erzeugung des Problems mögen die Vereinigten Staaten beigetragen haben, nämlich mit finanzpolizeilichen Maßnahmen gegen nordkoreanische Transaktionen, darüber gehen die Meinungen in der Weltpresse auseinander; dass Amerika zur Lösung beizusteuern hat, darin ist man sich einig. Nur wie? Nicht militärisch, heißt es im Editorial der New York Times , "nicht zuletzt, weil die Experten keine Ahnung haben, wo Pjöngjang seine Waffenlabore oder seinen Plutoniumvorrat versteckt hält."

Das Blatt macht den Generalschlüssel allerdings in Peking aus, denn "die Nordkoreaner knicken wahrscheinlich erst ein, wenn China die Ölzufuhren und andere lebensnotwendigen Handelsströme kappt." Was Peking bisher zu umgehen sucht, um einen Zusammenbruch des nordkoreanischen Regimes und die davon ausgelöste Flüchtlingswelle zu vermeiden.

Während die Linie der NYT dahin führt, China zur Betätigung dieses Machthebels zu bewegen, gibt das Blatt gleichwohl einem ehemaligen Redenschreiber Bushs Gelegenheit, ein anderes Programm vorzuschlagen. Und so schreibt David Frum, dass Amerika "drei strategische Schlüsselziele" habe: Erstens die Sicherheit jener Verbündeten zu erhöhen, die am meisten von Nordkorea bedroht sind, also Japan und Südkorea; zweitens Pjöngjang einen dermaßen hohen Preis zahlen zu lassen, dass er Iran und andere "rogue regimes" davon abschreckt, den nordkoreanischen Weg zu gehen; und drittens "China zu bestrafen". Denn Kim Jong Il hätte die Bombe nicht, ohne dass Peking sein Regime stützen würde. Dafür müsse China einen Preis zahlen, um wiederum Russland vor Augen zu führen, was geschähe, wenn es ein iranisches Atomwaffenprogramm unterstützte.

Und um diese drei Ziele zu verwirklichen, seien vier "sofortige Antworten" fällig. Erstens der beschleunigte Aufbau des Raketenabwehrsystems; zu den eher schwächlichen Leistungen der ballistischen Abfangraketen bemerkt Frum nur lakonisch: "Sie sind nicht perfekt, aber wenigstens etwas". Zweitens das Ende aller humanitären Hilfe für Nordkorea; sollen doch die Chinesen die Kosten der Stabilisierung tragen. Drittens, Japan und Südkorea, Australien, Neuseeland und Singapur in die Nato aufnehmen und Taiwan einen Beobachterstatus zuzubilligen. Was Frum da vorschlägt, hieße militärstrategische Konfrontation mit China, doch er geht noch weiter: "Japan ermutigen, den Atomwaffensperrvertrag zu kündigen und seine eigenes nukleares Abschreckungspotenzial aufzubauen." Warum? Wiederum letztlich, um Iran zu zeigen, dass der Westen für Balance sorgen wird, ein nuklearer Iran wäre infolgedessen mit erhöhter israelischer Atomkapazität konfrontiert. '"Länder wie Nordkorea und Iran", schließt Frum, "wollen Atomwaffen, weil sie glauben, damit ihre Sicherheit und Macht zu erhöhen. Wir müssen sie vom Gegenteil überzeugen." Feuer legen, um den Brand zu bekämpfen.