Den Botschaftern der fünf Vetomächte im Sicherheitsrat, USA, Russland, China, Großbritannien und Frankreich, liegt ein Resolutionsentwurf der US-Regierung vor. Einzelheiten der darin vorgeschlagenen Sanktionen sind noch nicht bekannt. Die Gespräche sollen an diesem Dienstag in New York fortgesetzt werden. Zuvor hatte der Sicherheitsrat den Atomtest bereits aufs Schärfste verurteilt und "angemessene Maßnahmen" angekündigt, die Nordkorea eine "scharfe und klare Antwort" geben sollen.

"Die Stimmung im Rat ist sehr düster, weil die Mitglieder die wirklich erhebliche Bedrohung erkennen", sagte der US-Botschafter bei den Vereinten Nationen, John Bolton. Auf die scharfe Verurteilung Nordkoreas hatte sich der Sicherheitsrat in einer Dringlichkeitssitzung in nur 30 Minuten verständigt. Pjöngjang wurde eindringlich dazu aufgerufen, keine weiteren Tests durchzuführen und unverzüglich zu den Sechs-Parteien-Gesprächen über sein Atomprogramm zurückzukehren. Die Reaktion des Sicherheitsrates auf den Test werde "stark, rasch und klar" erfolgen, kündigte der amtierende Präsident Kenzo Oshima aus Japan an.

Auch die Wiener UN-Behörde für die Überwachung des Internationalen Atom-Teststopp-Abkommens (CTBTO) verurteilte die Atompolitik Pjöngjangs. CTBTO-Chef Tibor Toth betonte, schon die Erklärung Nordkoreas, wonach das Land einen Atomtest vorgenommen habe, "verstößt gegen Buchstaben und Geist des umfassenden Atom-Teststopp- Abkommens".

International war der Test am Montag scharf verurteilt worden. NATO-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer sprach von einer "Bedrohung für den Weltfrieden". Die finnische Ratspräsidentschaft erklärte, die EU werde mit der Staatengemeinschaft an einer "entschiedenen Antwort auf diesen provokativen Akt" arbeiten. US-Präsident George W. Bush sagte, die nuklearen Anstrengungen Nordkoreas seien eine schwere Bedrohung für die internationale Sicherheit, die eine "unverzügliche Antwort des UN-Sicherheitsrats" erfordere. Russlands Präsident Wladimir Putin sagte, der Atomtest füge dem System der Nichtverbreitung von Atomwaffen "großen Schaden" zu.

Auch Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sprach sich für eine deutliche Reaktion der Weltgemeinschaft aus. "Wir wollen die Bevölkerung nicht treffen, aber ohne Reaktionen darf ein solches Verhalten nicht bleiben", sagte Steinmeier im ZDF. Zugleich warnte auch er vor einer weiteren Unterhöhlung des Atomwaffensperrvertrags.

Nach südkoreanischen Angaben bereitet das kommunistische Nachbarland möglicherweise einen zweiten Atomtest vor. Auf einem weiteren mutmaßlichen Testgelände im Nordosten des Landes seien verdächtige Personen- und Fahrzeugbewegungen entdeckt worden, zitierte die nationale Nachrichtenagentur Yonhap den südkoreanischen Geheimdienstchef Kim Seung Kyu.

Japan fordert vor weiteren Sanktionen gegen Nordkorea zunächst eine Bestätigung für den von Pjöngjang vermeldeten Atomwaffentest, erklärte Außenminister Taro Aso am Dienstag in Tokio. Japan hatte bereits nach den nordkoreanischen Raketentests im Juli unter anderem Finanzsanktionen gegen Pjöngjang verhängt.

In Südkorea teilte Vereinigungsminister Lee Jong Seok einem Parlamentsausschuss in Seoul mit, die Regierung gehe davon aus, dass Nordkorea tatsächlich einen atomaren Sprengsatz gezündet habe. Die Richtigkeit der Berichte über einen Atomtest würden zurzeit jedoch überprüft. Eine genaue Analyse werde allerdings einige Zeit in Anspruch nehmen. Lee bekräftigte, der Atomtest lasse Seoul keine andere Wahl, als "bestimmte Änderungen" in der Annäherungspolitik zum Regime in Pjöngjang vorzunehmen. Eine sofortige Einstellung der wirtschaftlichen Kooperation mit Nordkorea schloss der für die Nordkorea-Politik zuständige Minister jedoch aus.

Der SPD-Außenpolitiker Hans-Ulrich Klose riet von Sanktionen gegen das Land ab. Er glaube nicht, dass Strafmaßnahmen die Führung in Pjöngjang beeindrucken würden, sagte Klose der in Hannover erscheinenden Neuen Presse . Was das Regime der Bevölkerung zugemutet habe, sei so extrem, dass auch eine Steigerung keine Änderung erwarten ließe.

"Ich würde eher versuchen, das Land zu öffnen, als es zu isolieren", sagte Klose. Er forderte eine ganz enge Kooperation der heutigen Nuklearmächte, also insbesondere der Amerikaner, der Russen, der Franzosen, der Engländer, der Inder und der Chinesen, um zu verhindern, dass weitere Länder dem nordkoreanischen Schritt folgen. Die eigentliche Gefahr, auch im Fall Irans, sei der Zusammenbruch des Nichtverbreitungsregimes.

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