Nach dem Atomwaffentest in Nordkorea nimmt der internationale Druck auf das abgeschottete Regime in Pjöngjang zu. Washington will ein internationales Waffenembargo im Weltsicherheitsrat durchsetzen und den stalinistischen Machthaber Kim Jong Il mit Handelsbeschränkungen und finanziellen Sanktionen zur Räson bringen. Die USA schlagen auch internationale Inspektionen für jeglichen Im- und Export mit Nordkorea vor. In diplomatischen Kreisen wird aber bezweifelt, dass China, der engste Verbündete Pjöngjangs, sowie Russland zu solch einschneidenden Strafmaßnahmen gegen das Nachbarland Nordkorea bereit sind. Unterdessen drohte Nordkorea mit dem Abschuss einer Rakete mit nuklearem Sprengkopf. Dieser Schritt sei vom Verhalten der USA abhängig, zitierte die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap einen nicht namentlich genannten Vertreter Nordkoreas in Peking. Seine Regierung sei bereit, seine Atomwaffen abzuschaffen und zu den Sechs- Länder-Gesprächen über sein Atomprogramm zu jeder Zeit zurückzukehren, falls die USA entsprechende Maßnahmen ergriffen. Sicherheitsexperten in der Region zweifeln allerdings daran, dass Nordkorea bereits über die Technik zur Entwicklung von Atomsprengköpfen verfügt, die auf Raketen montiert werden können. Januar 2003: Über eine Million Nordkoreaner bei einer Kundgebung auf dem Kim Il Sung-Platz in Pjönjang anlässlich des Austritts Nordkoreas aus dem Atomwaffensperrvertrag BILD Die fünf Vetomächte des Weltsicherheitsrats und Japan wollten im Laufe des Dienstags ihre Beratungen über Sanktionen fortsetzen. Den Botschaftern der USA, Russlands, Chinas, Großbritanniens und Frankreichs lag ein Resolutionsentwurf der US-Regierung vor. Zuvor hatte der Sicherheitsrat den Atomtest bereits aufs Schärfste verurteilt und »angemessene Maßnahmen« angekündigt, die Nordkorea eine »scharfe und klare Antwort« auf seinen Atomtest geben sollten.China schließt wirtschaftliche Sanktionen gegen Nordkorea nach Verlautbarung des Außenministeriums nicht aus, erteilt militärischen Aktionen aber eine deutliche Absage. »Die chinesische Regierung ist gegen jede militärische Gewalt im Atomstreit mit Nordkorea«, sagte der Sprecher des Ministeriums, Liu Jianchao, unter Bezug auf die von Washington, London und Paris angestrebte Resolution gemäß Kapitel 7 der UN-Charta. Mit der Verweis auf Kapitel 7 würden den Forderungen des Sicherheitsrates Nachdruck verliehen, da dieses die Durchsetzung der Sanktionen durch militärische Gewalt erlaubt. Derweil plädierten Paris und Tokio für verschärfte Strafmaßnahmen gegen Pjöngjang. Japan ist der von den USA vorgelegte Entwurf für eine Resolution nicht hart genug, berichtete die Washington Post . Tokio will, dass alle Exporte aus Nordkorea abgelehnt werden und dass nordkoreanische Schiffe und Flugzeuge keine Landegenehmigung im Ausland mehr erhalten. Zuvor wolle Japan jedoch eine unabhängige Bestätigung für den Atomwaffentest, erklärte Außenminister Taro Aso. Auch die US-Regierung hat ihre Zweifel an Nordkoreas Angaben über einen gelungenen Atomtest noch nicht völlig ausgeräumt, berichteten amerikanische Medien. Japan hält ungeachtet dessen an seiner Politik fest, selbst keine Atomwaffen zu besitzen. Das machte Ministerpräsident Shinzo Abe klar. In Südkorea teilte Vereinigungsminister Lee Jong Seok mit, die Regierung gehe davon aus, dass Nordkorea tatsächlich einen atomaren Sprengsatz gezündet habe. Die Richtigkeit der Berichte über einen Atomtest würden zurzeit weiter überprüft. Nach Angaben des Präsidialamts in Seoul wird es etwa zwei Wochen dauern, um zu klären, ob das Nachbarland erfolgreich eine Atombombe getestet hat.China wird nach südkoreanischen Angaben möglicherweise einen hochrangigen Beamten als Gesandten nach Nordkorea schicken, um Pjöngjang dazu zu bewegen, die Situation nicht weiter zu verschärfen. China verhängte Medienberichten zufolge derweil eine Urlaubssperre für seine Soldaten entlang der Grenze zum Nachbarland. Wie die der Regierung in Peking nahe stehende Zeitung »Wen Wei Po« in Hongkong berichtete, üben einige chinesische Truppenteile zudem das Verhalten bei Angriffe mit chemischen Waffen. Einzelheiten oder Gründe für die Maßnahme nannte das Blatt nicht.