In Moskau haben etwa 2500 Menschen Abschied von der ermordeten regierungskritischen Journalistin Anna Politkowskaja genommen. Während der russische Präsident Wladimir Putin am Dienstag in Deutschland die Außenpolitik der neuen Energiegroßmacht Russland vertrat, trauerten daheim Journalisten, Oppositionspolitiker, Menschenrechtler und ausländische Diplomaten um die engagierte Reporterin. Sie war am Samstag erschossen worden. Sie war 48 Jahre alt. Trauer um ermordete Regierungskritikerin Politkowskaja in Moskau (10.10.2006) BILD

Trotz Regens bildeten sich auf dem Trojekurow-Friedhof lange Menschenschlangen, um am Sarg Blumen niederzulegen. »Sie war eine Menschenrechtlerin und Journalistin im wahrsten Sinne des Wortes, eine Heldin Russlands«, sagte der russische Beauftragte für Menschenrechte, Wladimir Lukin, über Politkowskaja.

Die Trauerfeier war ein Lebenszeichen des Russlands jenseits von Putins Machtapparat. Aus Sicht des Kremls und vieler Russen versammelten sich die Nörgler und Dauerkritiker, die mit westlichen Geldern und Preisen durchgefütterten Vaterlandsverräter, zu denen man auch Politkowskaja gezählt hatte.

In Trojekurow kamen Vertreter der unter Putin schikanierten russischen Medien zusammen, Politiker des ins Abseits gedrängten liberalen Lagers wie Grigori Jawlinski und Boris Nemzow. Ergraute Dissidenten wie Ljudmila Alexejewa und Alexej Simonow, die schon dem sowjetischen System die Stirn geboten haben, begruben 15 Jahre nach dem demokratischen Aufbruch in Russland erneut ein Opfer politischer Gewalt.

Der Redakteur Wjatscheslaw Ismailow von der Zeitung Nowaja Gaseta erinnerte daran, wie oft Politkowskaja bei ihrer Arbeit bedroht worden sei. Auch wenn sie Angst gehabt habe, habe sie sich diesem Druck nicht gebeugt. Die Journalistin hatte in ihren letzten Artikeln Menschenrechtsverletzungen der moskautreuen Führung in Tschetschenien angeprangert.