Doch das Gesicht des Pressesprechers verrät nichts Gutes. Dunga sei auf sein Zimmer gegangen und habe die Tür abgeschlossen. Für heute könne er nichts mehr machen. "Kommen Sie morgen wieder." Gegen zehn Uhr nach dem Frühstück werde es klappen.

Um zwölf Uhr am nächsten Tag noch immer keine Spur von Dunga. Doch ich habe mit Falcão sprechen können, dem großen Falcão, der in den 80er Jahren an der Seite von Zico und Socrates den schönsten Fußball der Welt spielte. Heute arbeitet der 52-Jährige als Cokommentator für das brasilianische Fernsehen und will wissen, warum Marcelinho nicht in Berlin geblieben ist, ob Hamburg schön ist und ob Tinga sich in Dortmund wohl fühlen wird. Eine halbe Stunde geht das so. Ich bin froh, mit Falcão zu reden.

Als ich mich wieder in meinen Sessel setzen will, sitzt dort ein älterer Herr und schläft. Falcão klärt mich auf, dass das José Ramiz Wright sei. Der brasilianische Schiedsrichter, der 1990 das WM-Halbfinale zwischen Deutschland und England pfiff. Etwas später sitze ich neben dem einstigen Weltschiedsrichter und frage ihn nach seinen Erinnerungen an das Spiel. "Rudi Woller", sagt er, "ich erinnere mich an seinen Schnauzbart." Er lacht und zwinkert mir zu. Wir reden über die WM in Deutschland, technische Hilfsmittel für Schiedsrichter und Dunga.

Gegen 18 Uhr fährt die Mannschaft zum Stadion. Dunga wolle noch immer mit mir reden, müsse sich nun aber auf das Spiel konzentrieren.

Das Spiel ist langweilig. Die Norweger spielen hart, die Brasilianer schlecht.

In der 33. Spielminute kommt Albert auf den Platz gelaufen. Er trägt einen Wikingerhelm und rennt bis zum Mittelkreis, ehe er unter dem Gejohle der Masse von drei Sicherheitsleuten aus dem Stadion getragen wird. Er hat seine Mission erfüllt, denke ich und überlege, was sie jetzt wohl mit ihm anstellen werden.

Nach 90 Minuten heißt es 1:1. Alle sind zufrieden.

Dunga steht unten in den Katakomben, dort wo sich die Spieler im Vorbeigehen mit den Journalisten treffen. "Ich bin stolz auf mein Team", sagt er, "Norwegen war ein starker Gegner." Seine Stimme klingt rau und müde.

Die meisten Spieler sitzen schon wieder hinter getönten Busfenstern, warten auf die Rückfahrt ins Hotel. Robinho und Cicinho feixen auf der hintersten Bank. Sie trommeln mit den Fäusten gegen die Scheibe und winken der Journalistin, die neben mir steht. Sie deuten auf ihre Mobiltelefone. Sie versteht, schreibt ihre Nummer auf ein Stück Papier und drückt es an die Scheibe. Die beiden Profis von Real Madrid jubeln wie kleine Kinder.

Kurz darauf klingelt das Handy der Frau.

"Morgen Vormittag", hatte mir Paiva noch zugerufen, bevor sich die Tür schnurrend zuzog und der Bus davonrauschte, "morgen im Hotel. Dunga wird Zeit für Sie haben." Ab neun sitze ich wieder in der Lobby. Lange passiert nichts. Dann lässt Dunga sich entschuldigen.

Nur kurz noch unter die Dusche, dann komme er, lässt er ausrichten. Ich warte, 45, 90, 120 Minuten, habe mittlerweile drei Kaffee zu je acht Euro getrunken und frage mich, was ich da überhaupt mache. Nach vier Stunden kommt Dunga. Er trägt ein blaues Hemd und eine schwarze Hose. Er begrüßt mich wie einen gegnerischen Kapitän im Mittelkreis, ein fester Händedruck, ein bestimmender Blick. Dunga ist da. Wir setzen uns in die Sessel an den Tisch, wo ich zwei Tage zuvor eingeschlafen war. "Wir müssen zum Flughafen. Zehn Minuten", befiehlt Paiva.