Senhor Dunga, ich möchte mit Ihnen übers Deutsch-Sein sprechen. Carlos Dunga: Okay.

Wie wirken Deutsche auf Sie? Die Deutschen sind sehr willensstark, konzentrieren sich hundertprozentig auf das, was sie erreichen wollen, und geben nie auf.

Dann sind auch Sie ein Deutscher? Nun, ich habe in Deutschland gearbeitet. Die deutsche Mentalität gefällt mir, dieses Zielgerichtete. Meine Einstellung auf dem Platz kommt der deutschen schon sehr nahe, deshalb bin ich aber noch lange kein Deutscher.

Glauben Sie, dass der deutsche Fußball den brasilianischen beeinflusst hat? Ich glaube, dass der europäische Einfluss auf den brasilianischen Fußball nicht zu übersehen ist. Die meisten Nationalspieler verdienen ihr Geld in Europa, wo professioneller gearbeitet wird – auch in der Bundesliga, wo Lucio, Juan oder Gilberto spielen.

Alles Defensivspieler. Der deutsche Einfluss auf die Defensive ist sehr deutlich. Wir haben den Vorteil, viele Einflüsse zu haben – aus Spanien, Italien, Frankreich, England und Brasilien. Die Mischung ist der Stil der Seleção.

Werden Sie ergebnisorientierter spielen? Wenn es ein Tabu ist, nicht schön zu spielen, aber zu gewinnen, dann brechen wir es. Ich will gewinnen – egal wie das aussieht.

Was können Sie von Klinsmann lernen? Vieles. Zum Beispiel, dass auch wir unsere Gegner vorher besser beobachten müssen. Das haben die Deutschen vor der WM gut gemacht. Ich werde mich sicher noch mit Klinsmann unterhalten und über seine Erfahrungen sprechen. Er hatte genauso wenige Vorkenntnisse als Trainer wie ich jetzt.

Paiva tippt auf seine Armbanduhr. Die zehn Minuten sind um. "Letzte Frage, bitte!"

Ihr erster Gedanke an Deutschland? Guido Buchwald. Er half mir, mich zurechtzufinden. Er zeigte mir, was es in Deutschland heißt, ein Gentleman zu sein.

Dunga steht auf, hebt den Daumen: "Alles klar?" – "Alles klar", sage ich und hebe den Daumen, "vielen Dank für Ihre Zeit." Das Gespräch, das nie richtig in Gang kommen konnte, ist zu Ende. Weg ist er. Ich schalte das Diktiergerät aus. Es zeigt 7:54 Minuten.

Ich bleibe noch etwas sitzen, beobachte die Menschen im Foyer. Da ist Falcão, der seinen Flieger verpasst hat. Da sind die Journalisten, die an ihren Laptops arbeiten. Auch Albert ist da, der für seinen gestrigen Auftritt einige tausend Euro Strafe zahlen muss. Und auch beim nächsten Spiel der Seleção werden sie alle wieder da sein. Ich fühle mich erleichtert, nicht mehr länger auf Dunga warten zu müssen. Ich verlasse das Hotel und warte auf das Taxi. Die Frau an der Rezeption hat mir versichert, dass es in zehn Minuten da wäre.

Der Autor ist Redakteur beim Fußballmagazin RUND "