Günter Verheugen steht unter Druck. Angetreten, die Bürokratie in der Europäischen Union abzubauen, musste der Vizepräsident der EU-Kommission feststellen, dass der Widerstand gegen seine Pläne groß ist. Und er kennt die Schuldigen: ranghohe EU-Mitarbeiter. Die hätten zu viel Macht an sich gezogen, sagte Verheugen an diesem Donnerstag.

"Es gibt einen ständigen Machtkampf zwischen Kommissaren und hohen Beamten", sagte Verheugen der Süddeutschen Zeitung . Die Spitze der Brüsseler Behörde müsse "höllisch aufpassen", dass die Beamten, die ohne demokratische Legitimation seien, nicht wichtige Fragen unter sich ausmachten. Es komme leider vor, dass Beamte gegenüber den Mitgliedsstaaten oder dem Europäischen Parlament ihre persönliche Sichtweise als Haltung der Kommission darstellten. Manchmal erführen die Kommissare von solchen Dingen nur, weil es plötzlich Streit zwischen den Beamten gebe, wird Verheugen zitiert.

"Die Entwicklung der letzten Jahrzehnte hat dem Beamtenapparat eine solche Machtfülle eingebracht, dass es inzwischen die wichtigste politische Aufgabe der 25 Kommissare ist, den Apparat zu kontrollieren." Wenn er manche Schreiben von Beamten an Mitgliedsstaaten lese, sei er entsetzt, sagte Verheugen: "Technisch, arrogant, von oben herab." Während die Kommissare von den Regierungschefs ausgewählt werden, und damit indirekt von den EU-Bürgern, fehlt den rund 16.000 Beamten solche Legitimation.

Um die Macht der Beamten in den Generaldirektionen einzudämmen, fordert Verheugen einschneidende Veränderungen. So sollten die Kommissare nach dem Vorbild deutscher Minister hohe Beamte auswechseln dürfen, was sie bisher nicht können. Auch sollen die Kommissare die Hoheit über die Geldverwendung in den Generaldirektionen bekommen. Verheugen fordert schlankere Strukturen: "Nicht weniger Mitarbeiter, sondern weniger Generaldirektionen."