"Das Konzert, ich freue mich schon riesig, in drei Tagen ist es soweit!" Fröhlich hüpfen meine Freundinnen umher, kämpfen um die Ohrenstöpsel des MP3-Players. US5 sind ihre Helden. Aber ohne mich! Noch zwei Stunden Schule, dann geht es endlich nach Hause.

Da habe ich dann allerdings auch Musik um die Ohren, andere, unbekannte, die keine Ähnlichkeit hat mit der meiner Klassenkameraden. Bei uns zu Hause wird ständig gehört und das auch noch in zwei Wohnungen. Ob nun das alte Grammophon meines Vaters die letzten Töne knirscht, die neue Deutsch-Pop-CD meiner Mutter läuft oder experimentelle Elektronik aus dem Zimmer meines Bruders dröhnt – ich nehme das alles mit. Musik ist für uns alle keine Nebensache.

Manchmal sehen wir zusammen den Grand Prix d‘Eurovision im Fernsehen oder so eine dämliche Sendung wie Deutschland sucht den Superstar . Dann geben wir kluge Kommentare zu jedem Sänger und jedem Lied ab, als nähmen wir das ernst.

Aber so lustig ist es nicht immer. Wenn ich zum Beispiel in den Briefkasten schaue: Jedes Mal, wenn da ein Päckchen festklemmt, weiß ich, das sind wieder CDs für Mama! Geburtstagseinladung für mich? Nö! Das tolle Preisausschreiben für den Reiterurlaub auf dem Isländerhof gewonnen? Oder wenigstens als Trostpreis den Fotokalender? Ach, was. CDs, CDs, CDs…!

Noch mehr geht es mir auf die Nerven, wenn Mama wieder mal irgend so eine „wichtige“ Band bei uns einquartiert, die in unserer Stadt auf Konzerttour vorbeikommt. Hey, sind wir hier eigentlich ein Obdachlosenasyl? Spielen die so schlecht, dass sie sich nichtmal ein billiges Hotel leisten können? Meinen Schlafsessel muss ich dann hergeben – ich hau ab und übernachte bei meiner Freundin.

Zum Glück ziehen die heimatlosen Superstars am nächsten Tag weiter. Ganz anders die Chaostruppe, die regelmäßig bei Papa herumlungert. Entweder er singt sich mit seinen Musiker-Freundinnen die Kehle aus dem Hals oder er unterrichtet Schüler der Hochschule. Es ist schon komisch, in die Wohnung zu kommen und einen Teekessel oder ein schreiendes Baby zu hören und es ist doch nur seine Krach-Mach-Musik. Dann kriegt der Besuch auch noch das beste Essen – und für meinen Bruder und mich gibt es am nächsten Tag nur Linsensuppe oder vertrocknete Polenta-Reste, na super!