Wenn ein demokratischer Staat Terroristen in Demokraten verwandeln will, bedarf es starker Nerven, einer Menge Geduld und der Bereitschaft, Rückschläge einzustecken. Auch bleibt bis zum Schluss eine gehörige Portion Skepsis angebracht. Großbritanniens Premier Tony Blair hat dies im Lauf von fast zehn Jahren im Umgang mit der IRA lernen müssen. In republikanischen Kreisen bespöttelte man ihn intern lange Zeit als den „großen Naiven“, weil er dazu tendierte, wohltönende Erklärungen von Gerry Adams und Co. für bare Münze zu nehmen und ihre doppelbödige Strategie nicht sogleich durchschaute. Das hat sich im Lauf der Zeit geändert.

In den ersten Jahren nach dem Durchbruch des Karfreitagsabkommens im Jahr 1998 nahmen es die Politiker in London und Dublin hin, dass die IRA versuchte, so lange es nur irgend ging mit ihrem Gewaltpotenzial zu wuchern. Sie warf zwar keine Bomben mehr, aber sie führte ihre Verhandlungspartner ein ums andere Mal an der Nase herum, versprach Abrüstung, um sie dann zu verzögern und mit immer neuen Forderungen zu verknüpfen. Die republikanische Bewegung, meisterhaft geführt von Adams, agierte nach dem Motto der Echternacher Springprozession - zwei Schritte vor, ein Schritt zurück, wohlwissend, dass demokratische Regierungen um der Ruhe an der Terrorfront willen vieles hinzunehmen bereit sind.

Verschlissen wurde dabei der Unionistenführer David Trimble, der sich zu sehr aufs Wort der IRA verlassen hatte und dies mit schweren Verlusten seiner Partei und dem Scheitern seiner Karriere bezahlte. Auch für die katholische SDLP, die Socialdemocratic and Labour Party, die Gerry Adams als erste aus der Kälte holte und bereit zum Dialog mit ihm war, musste dafür büßen. Einst die führende Partei der katholischen Nationalisten in Nordirland, spielt sie nur noch eine untergeordnete Rolle.

Am Ende aber erweist sich, dass es wert war, den Preis zu zahlen. Die IRA musste sich zwangsläufig immer stärker auf die Regeln demokratischer Politik einlassen; das Doppelspiel konnte sie nicht endlos weitertreiben. Der jüngste Befund der internationalen Kommission bestätigt das. Die Untergrundarmee hat danach ihre militärischen Kapazitäten in einem Maße abgebaut, dass eine Rückkehr zum “armed struggle“ eigentlich nicht vorstellbar erscheint. Der Führung der republikanischen Bewegung wurde bescheinigt, sich für den Weg demokratischer Politik entschieden zu haben. Gestoppt seien die Rekrutierung, das Beschatten potenzieller Ziele sowie die Beschaffung von Waffen. Die entsprechenden Abteilungen im Hauptquartier der IRA seien aufgelöst worden, der Prozess des „decommissioning“ weitergegangen und beinah vollendet.