Tokio/Seoul/Washington - Die USA, die EU und Russland haben Nordkorea vor einem weiteren Atomtest gewarnt. Zwar betonte US-Außenministerin Condoleezza Rice, dass die USA keinen Angriff auf das Land planten. Dennoch wolle sie auf ihrer Asienreise dafür sorgen, dass die gegen Nordkorea verhängten Sanktionen auch durchgesetzt werden.

Inzwischen liegen dem US-Geheimdienst Erkenntnisse vor, die auf Vorbereitungen zu einem zweiten Atomtest in Nordkorea hindeuten. Das werde aber zu einer verstärkten Isolierung des Regimes führen, sagte Tony Snow, der Sprecher des Weißen Hauses. Präsident George W. Bush habe bei einem Gespräch mit dem designierten UN-Generalsekretär Ban Ki Moon deutlich gemacht, den Frieden in der Region nicht durch Nordkorea gefährden zu lassen.

Die EU-Außenminister erklärten bei einem Treffen in Luxemburg, die Regierung in Pjöngjang müsse den Vertrag über das Verbot von Atomwaffentests unterzeichnen und auf weitere Raketentests verzichten. Nordkoreas Handeln "verstärkt die Gefahren einer weltweiten Weiterverbreitung (von Atomwaffentechnologie)", hieß es. Ein erneuter Atomtest wäre "eine nicht hinnehmbare Provokation", sagte Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier.

"Falls Nordkorea einen zweiten Nukleartest durchführt, wird das die Situation weiter verschärfen", warnte auch der russische Ministerpräsident Michail Fradkow am Dienstag nach Gesprächen mit der südkoreanischen Ministerpräsidentin Han Myong Sook in Seoul. Fradkow und Han bekräftigten, dass Seoul und Moskau die Sanktionsbeschlüsse des UN-Sicherheitsrats in gutem Glauben befolgen wollten.

Auch bei den Gesprächen von Rice in Tokio, Seoul und Peking soll es vor allem um die praktische Durchsetzung der vom UN-Sicherheitsrat beschlossenen Sanktionen gehen. Der Weltsicherheitsrat hatte unter anderem ein Handelsembargo für Waffen, Luxusgüter und alle Waren, die dem nordkoreanischen Atomwaffenprogramm dienen könnten, beschlossen. Die US-Außenministerin will ihre Reise mit einem Besuch in Moskau abschließen.

Am Dienstag hatte das nordkoreanische Außenministerium die Sanktionen erneut zurückgewiesen und mit einem bewaffneten Konflikt gedroht. Man werde notfalls auch nicht vor einem Krieg zurückschrecken, hieß es in einer Erklärung. Die UN- Resolution wegen des ersten Atomtests sei eine "Kriegserklärung"; jedes Land, das im Namen der UN-Entschließung die "Souveränität und das Existenzrecht" Nordkoreas bedrohe, müsse mit "gnadenlosen Schlägen" rechnen.

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