Frankreichs Präsident Jacques Chirac und Bundeskanzlerin Angela Merkel haben ein Bekenntnis zur gemeinsamen Lösung der tiefen Krise beim Flugzeugbauer Airbus abgegeben. Chirac nannte die "harmonische Aufteilung des Sanierungsplans auf die Hauptwerke Hamburg und Toulouse" einen "Schlüssel des Erfolgs". Merkel sagte nach einer gemeinsamen Ministerratssitzung am Donnerstag in Paris, man müsse an allen Standorten den Mitarbeitern Sicherheit geben und sagen: "Wir kümmern uns um die Dinge." Eine Entscheidung über einen möglichen Einstieg des Bundes bei der Airbus-Mutter EADS ist nach Merkels Worten noch nicht gefallen.Die Kanzlerin stellte sich angesichts des milliardenschweren Debakels beim neuen Großraumflieger A380 gegen eine stärkere Belastung der deutschen Airbus-Werke. Der neue Airbus-Chef Louis Gallois dämpfte Befürchtungen über eine Schwächung des Hamburger Standortes. "Warum keinen Wettbewerb zwischen den Standorten? Aber bitte keinen Krieg", sagte Gallois in der Hansestadt. Der A380 soll in Hamburg und Toulouse montiert werden; in der Vergangenheit war immer wieder spekuliert worden, dass Airbus die Endmontage des A380 auf Toulouse konzentrieren könnte.Bezüglich der Arbeitsplätze gebe es noch keine Entscheidungen. "Wir werden reduzieren, aber wir haben viele Wege", sagte Gallois. "Wir werden alles tun, um Entlassungen zu vermeiden. Das gilt nicht nur für Hamburg, sondern für Airbus insgesamt." Auch seien noch keine Entscheidungen über die Verlegung von Montagelinien einzelner Flugzeuge gefallen. Das gleiche gelte für die Verlagerung von Produktionsanteilen in andere Regionen und die Aufgabenteilung mit externen Zulieferern.Merkel betonte in Paris mehrfach, die Bundesregierung habe bisher keinen Einstieg bei EADS beschlossen, schließe aber nichts aus. "Wir tun gut daran, das in Ruhe zu entscheiden." Sie widersprach damit dem Hamburger Bürgermeister Ole von Beust. Dieser hatte in Hamburg zunächst gesagt, die Entscheidung über die Anteile sei gefallen. Später schränkte er dies ein und ließ mitteilen: "Ich bin und bleibe der Überzeugung, dass der Bund - sollte die Wirtschaft ihrer patriotischen Verpflichtung nicht nachkommen - handeln muss."Es geht dabei um ein 7,5-Prozent-Paket aus dem Besitz des EADS- Hauptaktionärs DaimlerChrysler. Der deutsch-amerikanische Autobauer ist derzeit noch formal mit rund 30 Prozent an EADS beteiligt, hat sich aber bereits von 7,5 Prozent getrennt. Dieser Verkauf wird Anfang 2007 wirksam. Darüber hinaus will DaimlerChrysler weitere 7,5 Prozent abgeben, so dass der Anteil dann auf 15 Prozent sinken würde. DaimlerChrysler will diesen Verkauf aber nur in Abstimmung mit Berlin angehen. Die französische Seite - Staat und die Lagardère-Gruppe - ist mit 22,5 Prozent an EADS beteiligt. Franzosen und Deutsche sind zudem in einem Aktionärspakt verbunden.Merkel bekräftigte, die DaimlerChrysler AG wolle und werde bei EADS "weiter die strategische Verantwortung tragen". Sollte Daimler den Anteil weiter abbauen, müsse man "langfristig berechenbare Investoren finden, die sich dem Projekt verbunden fühlen". Das "deutsche Bekenntnis zu Airbus" solle "auch in Zukunft deutlich werden". Man müsse "die Dinge auf gleicher Augenhöhe regeln".Gallois hatte am Donnerstag im Hamburger Werk mit der Unternehmensführung gesprochen. Dabei war Gallois auch mit von Beust zusammengetroffen. Nach dessen Worten hat Airbus zugesichert, dass alle Verträge im Zusammenhang mit dem Ausbau des Airbuswerks in Finkenwerder hinsichtlich des A380 eingehalten werden.Chirac erklärte sein "volles Vertrauen" in die Fähigkeit des Managements, Airbus in den nächsten Jahren im Flugzeugbau an der Weltspitze zu halten. Merkel sagte: "Wir vertrauen auf das Produkt." Airbus sei eines der herausragendsten Industrieprojekte in Europa und werde weiterhin von Frankreich und Deutschland getragen.Der Gesamtbetriebsrat von Airbus Deutschland verlangte von Gallois ein klares Bekenntnis zu allen heimischen Standorten. Über das Kostensenkungsprogramm "Power8" habe der Gesamtbetriebsrat bis heute nur mündliche Präsentationen erhalten. "Wir kennen außer den Überschriften keine weiteren Details."Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) lehnt unterdessen einen Eingriff des Staates bei Airbus grundsätzlich ab. Privatwirtschaftliche Regelungen hätten absoluten Vorrang, sagte BDI- Präsident Jürgen Thumann der dpa. "Ich bin der Meinung, wir sollten staatliche Eingriffe auf ein absolutes Minimum begrenzen." Dagegen sagte der Fraktionsvorsitzende der Linken im Bundestag, Oskar Lafontaine, ein Einstieg der Regierung bei Airbus wäre richtig. "Ohne die Politik hätte sich ... kaum eine europäische Flugzeugindustrie entwickelt, die mit dem Hauptkonkurrenten Boeing hätte in Wettbewerb treten können."