Bären sind an den Finanzmärkten selten anzutreffen, und die wenigen, die es gibt, führen zur Zeit ein recht beschwerliches Leben. Denn Bären setzen an der Börse auf fallende Kurse - doch derzeit steigen die Aktienpreise immer weiter, wenn auch nur in kleinen Schritten.

Der Dow beispielsweise hat in den vergangenen zwei Wochen seinen Rekord, ähnlich wie früher der russische Stabhochspringer Sergej Bubka, Stück für Stück nach oben geschraubt. Auch in Europa setzten die Börsen ihren Aufstieg fort. Zwar sind die meisten von ihnen bekanntlich noch ein ganzes Stück von den Rekordniveaus aus dem Jahr 2000 entfernt, doch auch ein Dax von über 6100 oder ein Euro Stoxx von 4000 Punkten sind ja ganz beachtlich. Solche hohen Kurse verunsichern die Skeptiker unter den Anlegern. Kein Wunder, dass die Bären am Markt derzeit immer weniger werden.

Werden die Kurse weiter steigen? Das hängt vor allem von der Stimmung der Investoren ab. Sie gilt es in den kommenden Wochen besonders gut zu beobachten, denn je schneller die skeptisch gestimmten Anleger die Seiten wechseln, desto euphorischer werden die Märkte reagieren - und desto größer wird die Gefahr, dass die Kursfreude überschäumt und es danach zu einem Einbruch kommt. Bleiben die Bären aber resistent oder wächst ihre Anzahl sogar, so stehen die Chancen auf einen weiterhin flachen Anstieg der Kurse gut.

Das klingt paradox, aber die Finanzmärkte haben nun einmal die Eigenheit, meist das zu tun, was für die Mehrzahl der Investoren besonders schmerzhaft ist. Sind alle besonders optimistisch, geht es bald nach unten. Will keiner mehr Aktien haben, ist der beste Zeitpunkt für einen Kauf gekommen. Die alles entscheidende Frage ist aber, wann der Wendepunkt erreicht ist oder, auf die derzeitige Situation übertragen, wann der langsame Kursanstieg an sein Ende gelangt sein wird.

Woran erkennt man, dass die Zeit der Übertreibung angebrochen ist? Es gibt einige immer wiederkehrende Anzeichen, von denen einige auch jetzt zu beobachten sind. Das offensichtlichste Zeichen ist das Verhalten der Bären. Werden selbst sie euphorisch, und nutzen sie beispielsweise die gleichen Argumente, mit denen sie zuvor einen erwarteten Abschwung begründet haben, plötzlich zur Erklärung des ganz sicher bevorstehenden Kursanstiegs, so ist unbedingte Vorsicht angebracht.

Sobald der Börsenboom bei den Privatanlegern ankommt, ist Skepsis ohnehin ratsam - zum Beispiel, sobald Taxifahrer Investmenttipps geben oder gezielt nach "heißen Aktien" fragen. Früher nannte man so etwas eine Dienstmädchenhausse. Dienstmädchen sind inzwischen aber so selten geworden, dass sie alleine die Märkte nicht mehr bewegen können. Deshalb muss man auf andere Berufszweige ausweichen, und da bieten sich die Taxifahrer nun einmal an.