Am Anfang wirkte er etwas desorientiert. Als Edmund Stoiber die Schwabenhalle in Augsburg betrat, waren plötzlich zu viele Türen da. Stoiber wollte die eine öffnen, zögerte, ging zur nächsten, zögerte wieder, entschied sich doch für die erste und verschwand. „Wo is er denn jetzt wieder hiegrannt?“, stöhnte der Generalsekretär, der seinen Chef unvorsichtiger Weise aus den Augen gelassen hatte. Gegen den Willen seines Generals war Stoiber gefolgt von zahlreichen Kameraleuten zu Beginn des CSU-Parteitags durch den fast noch leeren Saal geschritten, ohne jeden Applaus, versteht sich. Das waren wohl nicht die Bilder, die Markus Söder sich zum Auftakt gewünscht hatte.

Immerhin. Es sollte die einzige sichtbare Panne bleiben. Ansonsten nämlich hatte die CSU das Treffen gekonnt inszeniert. Geschickt hatte man den Parteitag, der sich in besonderer Weise des Themas Bildung annehmen sollte, auf den Tag gelegt, an dem die Entscheidung über die künftigen Eliteuniversitäten Deutschlands fiel. Ein Drittel der möglichen Auszeichnungen hatte Bayern eingeheimst. „Die CSU hat mal wieder alles im Griff“, kommentierte Bundeskanzlerin Angela Merkel bei ihrem abendlichen Auftritt dieses geschickte Timing halb anerkennend, halb spöttisch.

Dass Bayern spitze ist, diese Botschaft muss natürlich von jedem CSU-Parteitag ausgehen. Weil die CSU aber schließlich eine Partei von bundespolitischem Gewicht ist, sollten mit dem Treffen noch mindestens zwei weitere Signale gesetzt werden. Zum einen, dass Ministerpräsident Edmund Stoiber die unangefochtene Nummer eins der Partei ist und bleibt. Und zum anderen, dass die CSU felsenfest hinter der Großen Koalition und ihrer Schwesterpartei steht – ein Eindruck, der in den Wochen des Gezerres um die Gesundheitsreform doch ziemlich gelitten hatte.

Der Parteitag sei, so Stoiber, „ein seismographischer Test für die Stabilität“ des Bündnisses in Berlin. Und das Parteivolk hatte den Auftrag verstanden. Als die Kanzlerin über den Teppich, der hier selbstverständlich blau ist, geschritten kam, gab es stehende Ovationen. „Ganz herzlich“ freute sich Markus Söder über den Besuch der CDU-Chefin und Edmund Stoiber versprach der „lieben Angela“ noch bevor sie ihre Rede begonnen hatte, dass man nun aber wirklich fest zusammenhalten werde.

Merkel schien die neue Herzlichkeit dagegen noch etwas ungewohnt. Es dauerte eine Weile, bis sie ebenfalls zu der Formel „lieber Edmund“ zurückfand. Natürlich lobte die Kanzlerin die Bayern, doch insgesamt fiel zumindest der erste Teil ihrer Rede so klar und scharf aus, das man dahinter wohl zurecht auch ein gerütteltes Maß an lang angestauter Wut vermuten darf.