War General Sir Richard Dannatt naiv oder hat er genau gewusst, dass seine Aussagen politische Schockwellen durch Whitehall und Westminster jagen würden?

Der höchste Militär der britischen Streitkräfte hatte sich in einem Interview mit der Daily Mail soweit vorgewagt wie kein General zuvor: Britische Truppen müssten "bald" aus dem Irak abziehen, eine "fortdauernde Präsenz im Irak" gefährde britische Interessen und Sicherheit, die Anwesenheit britischer Truppen, am Anfang begrüßt, sei "weitgehend in Ablehnung umgeschlagen" und – eine unverblümte Kritik an Washington –, "armselig" gewesen sei die Planung für die Zeit nach dem Sturz Saddam Husseins. Ob das Vorhaben, dem Irak "Demokratie zu bringen", "naiv" oder "vernünftig" gewesen sei, werde die Geschichte zeigen. Er ließ keinen Zweifel daran, welche Antwort er geben würde.

Die Botschaft des "Chief of General Staff" wurde als unmissverständliche Aufforderung gedeutet: Die überbelasteten britischen Truppen müssten so schnell wie möglich aus dem Irak abgezogen werden. Das Interview schlug wie eine Bombe ein. Der Gedanke, den freimütigen General zum Rücktritt zu zwingen, wurde rasch verworfen, wenn das je als ernsthafte Option galt. Was als weiteres Indiz der rapide schwindenden Autorität des Premiers gelten kann. Stattdessen bemühten sich beide Seiten um Schadensbegrenzung.

In einer Flut von "erläuternden" Interviews in Funk und Fernsehen stellte Dannatt seine Äußerungen in "Kontext". Danach konnte Tony Blair seine "völlige Übereinstimmung" mit General Dannatt betonen.

Doch der Schaden war angerichtet. Opposition und ein Teil der Presse nutzen die Chance, um der Regierung das Desaster im Irak unter die Nase zu reiben. Die Liberaldemokraten bekundeten ihre Unterstützung für den General, obwohl sie es sich verbitten dürften, würde das Militär ihre Politik kritisieren. Der Schattenaußenminister der Konservativen, Liam Fox, betonte, er sei zu "ähnlichen Schlussfolgerungen" gelangt. Ein atemberaubendes Beispiel von Opportunismus, wo doch die Tories bislang die Irakpolitik der Regierung Blair ohne wenn und aber unterstützt haben.

Die beide Oppositionsparteien scheinen beschlossen zu haben, dass sich angesichts eines Disputes zwischen einem Militär und einem Haufen von Politikern am wahrscheinlichsten politisches Kapital machen lässt, wenn man sich auf die Seite des Militärs schlägt.