Eine kleine Premiere spielt sich an diesem Dienstagabend um 20:30 Uhr für die Sozialisten ab: Die drei Kandidaten für die Präsidentschaftswahl, Ségolène Royal, der ehemalige Wirtschaftsminister Dominique Strauss-Kahn und der frühere Premierminister Laurent Fabius, werden vor den Kameras der öffentlich-rechtlichen Sender Chaine parlementaire und Public Sénat (eine Art Phoenix, mit noch weniger Zuschauern) ihre Programme vorlegen. Ein Hauch von amerikanischer Vorwahl oder Merkel-Schröder-Konfrontation ist zu spüren, wobei von Debatte vermutlich kaum die Rede sein kann. Dafür haben die drei Kandidaten ein neues Konzept entwickelt, eine "indirekte vergleichende Auseinandersetzung". Einer nach dem anderen wird jeder Kandidat Fragen beantworten, die von den Parteimitgliedern via Internet gestellt werden. Kein Widerspruchsrecht, keine Unterbrechung sollen die Erklärungen stören – schwer vorstellbar für französische Verhältnisse. Die Moderatoren sollen aber dafür sorgen, dass die Regeln streng beachtet werden.

Alles wurde bis ins letzte Detail zwischen den drei Kandidaten und ihren Teams abgesprochen: Farbe des Hintergrunddekors, Form der Tische, das Licht, die Redezeit ... Es ging so weit, dass der Chef des Parlamentskanals Jean-Pierre Elkabach gewarnt haben soll: "Sie kehren zum Fernsehen von Brejnew zurück, ich möchte euch daran erinnern, dass er tot ist." Die letzte und nicht irrelevante Frage, wer in der Mitte steht, wird durch Los bestimmt.

Die Mitglieder der sozialistischen Partei werden am 16. und am 23. November entscheiden, wer im Mai 2007 mit größter Wahrscheinlichkeit gegen den Chef der Regierungspartei Nicolas Sarkozys kandidiert. Vor allem hoffen auf die mediale Aufmerksamkeit der Fernsehdebatte Strauss-Kahn und Fabius, die keine Gelegenheit verpassen, Ségolène Royal als harmlos zu kritisieren. Beide werfen der Lebensgefährtin von Parteichef Hollande vor, stets im Unscharfen zu bleiben, sobald sie wichtige Themen anspricht. Ob sie einen Beitritt der Türkei in die EU befürworten könnte? "Meine Meinung ist die des französischen Volkes", sagt Royal. "Mit solcher Antwort gäbe es immer noch die Todesstrafe in Frankreich", kritisierte ein enger Berater von Laurent Fabius. Auch ihre Aussage, sie werde an der Debatte teilnehmen, "insofern es nötig ist", sorgte für Unmut in der Partei und vermittelte den Eindruck, sie sei unsicher.

Die beiden Minderheitslager von Strauss-Kahn und Fabius gehen davon aus, dass Royal bei ihrem Auftritt viel zu verlieren hat. Beide sind Routiniers und selbstbewusst und vertreten eine klare politische Linie – die Sozialdemokratie mit liberalen Touch für Strauss-Kahn, eine linke Orientierung bei Fabius. Dagegen ist Royal ein Neuling, die bis vor einem Jahr nie ein politisches Gewicht beanspruchen konnte. Dominique Strauss-Kahn hat verkündet, er werde der "Mann der Lösungen" sein, Laurent Fabius sagt, er werde ganz er selbst sein – Ségolène Royal ärgert sich schon, dass diese Übung nur gedacht sei, um ihre Schwäche zu offenbaren.

Doch mögen die Attacken gegen die Favoritin auch zunehmen, die Umfragen platzieren Ségolène Royal weit vorne. Sie ist die Einzige in der sozialistischen Partei, die Sarkozy schlagen könnte: Laut einer jüngsten Umfrage würde Ségolène Royal im zweiten Wahlgang Nicolas Sarkozy mit 51:49 Prozent besiegen. Und unter den Mitgliedern der Sozialisten genießt sie immer mehr Unterstützung. Heute Abend wird ein friedlicher Krieg ablaufen, unter besten Feinden, die sich am Ende doch einigen müssen.

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