Niemand glaubte, dass es funktionieren würde, als Muhammad Yunus zu Beginn der achtziger Jahre die Grameen Bank gründete. Yunus' Idee war so simpel wie revolutionär: Er wollte Armen durch die Vergabe von Kleinstkrediten helfen, ihrer materiellen Not zu entkommen. Häufig benötigten sie nur wenige Pence, um beispielsweise Rohmaterial für die Produkte zu kaufen, die sie dann herstellen und mit ein wenig Gewinn weiterverkaufen können.

Es begann mit einem Forschungsprojekt, das Wirtschaftsprofessor Yunus 1974 mit seinen Studenten von der Chittagong University unternahm. In dem Dorf, das sie besuchten, lebte eine Frau davon, Bambusstühle herzustellen. Um den dafür nötigen Bambus zu bezahlen hatte sie aber kein Geld. Sie musste es leihen und zahlte dafür einem Geldwucherer zehn Prozent Zinsen - pro Woche! Der Zinssatz war so hoch, dass sie letztlich für einen minimalen Gewinn arbeitete, der eben so zum Leben reichte.

Yunus begann, Menschen in ähnlich prekären Situationen Geld zu leihen. Zunächst finanzierte er die Kredite aus eigener Tasche. 1983 gründete er dann die Grameen Bank. Auch heute noch sind ihre Kunden vorwiegend Frauen, denn sie leiden am stärksten unter der Armut. Und sie gelten als pflichtbewusstere Schuldner. Vielleicht erhält die Grameen Bank deshalb weit mehr als 90 Prozent ihrer Kredite zurück.

Heute vergeben Finanzinstitute in mehr als 60 Ländern Kredite nach dem Grameen-Modell, auch in Europa und den USA. Yunus' Bank selbst hat seit ihrer Gründung nach eigenen Angaben rund 6 Millionen Kunden betreut und an sie Kredite in Höhe von mehr als 5 Milliarden US-Dollar vergeben. Längst finanziert sie nicht nur Kleinstunternehmer, sondern vergibt auch Studienkredite oder Baudarlehen. Und sie arbeitet - entgegen der Befürchtungen aller Kritiker - profitabel.

Der größte Erfolg von Muhammad Yunus ist aber, dass er durch seine Idee unzähligen Armen eine Möglichkeit eröffnet hat, ihr Geschick selbst in die Hand zu nehmen - nicht nur den Kunden von Grameen. Denn sein Projekt hat inzwischen weltweit Nachahmer gefunden, und auch in der offiziellen Entwicklungspolitik sind Mikrokredite längst angekommen.

Schwerpunkt: Die Nobelpreisträger der vergangenen Jahre "