Im Wohnzimmer fing es an, einer allein. Als im Jahr 2004 Horn Of Plenty auf dem kleinen, amerikanischen Label Kanine Records erschien, war Grizzly Bear das Soloprojekt von Edward Droste. Inzwischen ist eine richtige Band daraus geworden. Aus den introspektiven Aufnahmen haben sich orchestrale Rocknummern herausgeschält, die wachsen und wachsen und wachsen – mit jedem Hören ihres Albums Yellow House .

Vom zeittypischen Gitarrenrock sind die Stücke von Grizzly Bear weit entfernt. Piano, Klarinette, Flöte und allerlei klassisches Instrumentarium ergänzen das Rockkorsett. Früher hätte man Art Rock dazu gesagt, doch dafür sind die Kompositionen der vierköpfigen Band zu präzise, poppig und klar.

Wer die Band im Konzert sieht, staunt über Vokalharmonien von erhabener Schönheit. Brian Wilsons Träume müssen so klingen. Der Beach Boy arbeitete sich in den Sechzigern an den Möglichkeiten der Pop-Harmonik ab – und verlor darüber beinahe den Verstand.

Bei Grizzly Bear schabt es im Hintergrund der Stücke. Ein Banjo-Intermezzo setzt einen Kontrapunkt zum Schlagwerk. Elektronische Störgeräusche und Pianoklänge wie aus einer anderen Zeit fächern sich auf.

Vier Musiker lassen so kinematografische Klanglandschaften entstehen, die rätselhaft bleiben. Die Texte sind knapp und kaum zu deuten, die Harmonien erzählen die Geschichten. In Colorado , dem letzten Stück des Albums, verdichtet sich alles auf den Titel: Colorado, Colorado, Colorado. Wovon handelt dies? Genau weiß es auch Daniel Rossen nicht. "Manche Zeilen fallen einfach aus einem heraus", sagt er. Rossen ist neben Droste der zweite Hauptsongschreiber, Gitarrist und Sänger der Band. Vor zwei Jahren ist er zusammen mit dem Bassisten und Multiinstrumentalisten Chris Taylor zu Grizzly Bear gestoßen. Schlagzeuger Christopher Bear half bereits beim ersten Album aus. Die großen Popharmonien kommen von Edward Droste, das Vertrackte von Rossen.

In dem gelben Haus, das dem Album seinen Titel gibt, hat Edward Droste seine Kindheit verbracht. Die Band kehrte in den Vorort Bostons zurück, um das Album einzuspielen. Mehrere Wochen in Abgeschiedenheit. Mit einem alten, handbemalten Klavier und tausend Erinnerungen.

An Großtante Marla zum Beispiel, die es in den dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts als Sängerin in New York versuchte und als Alkoholikerin endete. Ihre Aufnahmen gibt es noch. Keine trägt einen Titel. Das Stück Marla ist eine Hommage und eine Neuinterpretation zugleich. Grizzly Bear spielen es zeitgenössisch und doch entrückt. "Das Original ist um einiges schneller", sagt Rossen. "Wir wissen nicht genau, wovon ihr Song handelt, aber es geht wohl um Dinge, die ihr Vater, Mr. Forbes, verloren hat. Der Song steckt voller Symbole ihres Lebens, das auseinander fällt." Irgendwann möchte Edward Droste all ihre Stücke auf die Internetseite der Band stellen.