Thomas Doll ist Realist. "Wir machen eine brutal harte Phase durch. Das tut schon weh." Der Trainer des Hamburger SV weiß dass nach der 1:4-Niederlage seiner Mannschaft gegen den FC Porto der Traum einer erfolgreichen Champions-League-Teilnahme schon vorzeitig beendet ist. Besonders schmerzhaft dürfte aber die Art und Weise gewesen sein, wie sich der Verein auch bei diesem Misserfolg präsentierte.

Da wären zum einen die Tore der Portugiesen, denen jedes Mal eine Einladung durch HSV-Spieler voraus ging. Beim 1:0 bediente Collin Benjamin den Gegner mit einem Fehlpass. Der zweite Treffer fiel durch Hand-Elfmeter, der unnötiger nicht sein könnte. Noch in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit verwechselt der Hamburger Stürmer Ljuboja im eigenen Strafraum den Sport und faustet den Ball weg. Nach der Halbzeit wird der Portugiese Quaresma nicht angegriffen, als er über den gesamten Platz trabt, um zum 3:0 vorzulegen. Bei den letzten Toren der Heimmannschaft können die Hanseaten nur noch zuschauen. So fasst der Coach passend zusammen: "Wir haben heute die Tore fast selbst gemacht."

Zu diesem Zeitpunkt war die Moral des Teams schon lange gebrochen. Auch deswegen dürfte Doll die Partie als "brutal und hart" in Erinnerung behalten. Bis auf Trochowski und Sorin hatte sich das Gefüge aus Ersatzkräften, Neueinkäufen und Formentfernten schon zur Halbzeit aufgegeben. Dabei kann Hamburg von Glück sagen, dass Ljuboja nach seiner Dummheit nicht vom Platz geschickt wurde. Der Schiedsrichter aus Luxemburg verzichtete auf eine berichtigte gelbe Karte, die einem Platzverweis gleichgekommen wäre.

Die Aktion, die zum Elfmeter führte, war der Knackpunkt der Partie. Die Mannschaft kennt keine Ordnung – nur so ist zu erklären, warum ein Stürmer im eigenen Strafraum decken muss. Zudem zeigt dieser paradoxe Streich, dass die Spieler in fast jedem Moment auf dem Platz die falschen Entscheidungen treffen. Das Handspiel ist aber auch Beleg für die Unsicherheit und scheinbare Ausweglosigkeit. Nur wer sich gar nicht zu helfen weiß, greift zu so einem Mittel und hofft, dass der Schiedsrichter gerade wegschaut.

Es fehlt nicht an individueller Klasse, sondern an Klebstoff, der aus den einzelnen Teilen ein Gefüge macht. Gesucht wird das Herz und der Kopf der Mannschaft. In der Abwehr, die erneut umgestellt wurde, fühlt sich keiner berufen, die Verantwortung in der Defensive und im Spielaufbau zu übernehmen. Im Mittelfeld ist keiner in der Lage zu lenken und in schwierigen Situationen das Team anzuschieben. Es fehlen mit van Buyten und Barbarez genau die Persönlichkeiten aus dem Vorjahr, die dieses Spiel verkörperten und den Erfolg brachten.

In Erinnerung wird das Bild des verletzten Bastian Reinhards bleiben. Das Gesicht schreckensverzerrt, traute sich der inaktive Abwehrspieler nicht mehr, das Geschehen auf dem Platz zu verfolgen und versteckte sich hinter dem Rücken des ebenfalls aussetzenden Kompany. Dieser HSV bringt keinem Spaß: Nicht den Fans, nicht den Fernsehzuschauern und schon gar nicht sich selbst.

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