Warum dann der kleine Hype um diesen Börsengang? Zumal andere Neuemissionen derzeit alle Mühe haben, Käufer zu finden, so etwa die Zimmervermittlungsbörse Hotel.de oder der Softwarehersteller LHS.

Der Grund liegt im Ausland. Deutsche Immobilien sind bei angelsächsischen Großinvestoren im Moment sehr angesagt, denn diese spekulieren darauf, dass die Preise auf dem hiesigen Markt ihren Abstand zu Nachbarländern über kurz oder lang aufholen. Zudem liefert Gagfah ordentliche Zahlen ab und will eine anständige Dividende zahlen. Die Gefahr, mit dieser Aktie einen Flop zu landen, erscheint also gering.

Doch Vorsicht: Niemand weiß, ob die Spekulation am Ende aufgeht. Anzunehmen es gebe kein Risiko, wäre ziemlich naiv. Das größte Problem für den Normalanleger ist, dass es für ihn kaum möglich ist, den Wert des riesigen Immobilienbestandes der Gagfah realistisch einzuschätzen. Er muss sich auf den Ratschlag von Fachleuten verlassen. Doch deren Empfehlungen - wen wundert's? - weichen mitunter deutlich voneinander ab. Nicht wenige Analysten sehen den realistischen Wert der Gagfah-Aktie bei 12 bis 14 Euro - deutlich unter dem Ausgabepreis von voraussichtlich 19 Euro.

Damit stellen sich die gleichen Fragen wie bei jeder Neuemission: Ist das Management erfahren und qualifiziert genug? Hat es die richtigen Ideen, um den Wert des Immobilienportfolios zu steigern? Wie zuverlässig kann es seine Planzahlen für Umsatz und Gewinn erreichen? Wie entwickelt sich der Markt? Wie steht die Konkurrenz da? Wie gut kann der Börsenneuling seine Marktposition behaupten? Wie stark ist der Wettbewerb? Grundsätzlich gilt: Je ambitionierter die Versprechungen des Managements zur der Emission, desto größer das Risiko, dass der Wechsel, der damit ausgestellt wird, irgendwann platzt.

Bei jedem Börsengang interessant ist auch die Frage, woher die angebotenen Aktien denn stammen. Gut, wenn die neue Stücke aus einer Kapitalerhöhung kommen, denn dann fließt das durch ihren Verkauf eingenommene Geld in die Kassen des Unternehmens und kann für Investitionen genutzt werden. Vorsichtig sein heißt es aber, wenn Alteigentümer aussteigen und ihren Bestand ganz oder teilweise versilbern wollen. Genau das ist bei der Gagfah der Fall: Die 20 Prozent des Aktienkapitals, das den Anlegern nun angeboten wird, stammt vom Großaktionär Fortress, einer Beteiligungsgesellschaft, die das Unternehmen vor gar nicht allzu langer Zeit gekauft hat.