Der 32-jährige Marokkaner, der die Hamburger Selbstmordpiloten des 11. September 2001 um Mohammed Atta unterstützt haben soll, war vom Hamburger Oberlandesgericht (OLG) lediglich wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung zu sieben Jahre Haft verurteilt worden. Aus Sicht des Bundesgerichtshofs (BGH) hätten die Richter jedoch nach eigenen Feststellungen Motassadeq wegen Beihilfe zum Mord in mehr als 3000 Fällen verurteilen müssen. Das machte der Vorsitzende des 3. Strafsenats des BGH, Klaus Tolksdorf, am Donnerstag zu Beginn des Revisionsverfahrens in Karlsruhe deutlich.

Motassadeq habe zwar nicht genau gewusst, welches Ausmaß die Anschläge des 11. September 2001 haben sollten, sagte Tolksdorf. Allerdings sei der Marokkaner von November 1999 an eingeweiht gewesen, dass Selbstmordanschläge mit Flugzeugen geplant gewesen seien. Damit habe sein Vorsatz zumindest den Mord an den Passagieren umfasst. Die Dimension des Anschlags spiele für die Strafbarkeit der Beihilfe keine Rolle.

Das OLG hatte im vergangenen Jahr dagegen den Beihilfevorsatz als nicht erwiesen angesehen - nach Ansicht des BGH ein schwerer juristischer Fehler. Sollte die oberste Gerichtsinstanz das Urteil aufheben, ginge der Prozess in Hamburg in die dritte Runde. Eine erste Verurteilung Motassadeqs zu 15 Jahren Haft war vom BGH wegen Fehlern in der Beweiswürdigung gekippt worden.

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