Das Stockholmer Komitee hat endlich einmal wieder eine kluge und mutige Entscheidung gefällt, indem es dem türkischen Autor Orhan Pamuk den Nobelpreis für Literatur zuerkannte.

Das schwarze Buch – ein postmodernes Rätsel, das den Einfluss von Umberto Eco und Italo Calvino, aber auch Ibn Arabis spüren lässt – war noch eher ein Insidertipp. Durch den virtuosen historischen Kriminalroman Rot ist mein Name , der im Milieu der Istanbuler Miniaturmaler und Illustratoren spielt, ist Pamuk auch hierzulande berühmt geworden.

Nach dem Welterfolg seines letzten Romans Schnee im vergangenen Jahr gab es keinen Zweifel mehr daran, dass dieser Autor das künstlerische Gewicht für den höchsten Literaturpreis der Welt auf die Waage bringt.

Pamuk wendet sich in diesem vielstimmigen Roman – der ihn als einen kunstvollen Autor zeigt, der an Dostojewski und Faulkner geschult ist – der zerrissenen türkischen Gesellschaft der Gegenwart zu.

Kopftuchmädchen, Kemalisten, frommgewordene Ex-Linksradikale, Anhänger mystischer Orden und kurdische Nationalisten bevölkern dieses Buch, das im äußersten Nordosten des Landes spielt, in der verschneiten Provinzstadt Kars. In Kars prallen all jene Kräfte aufeinander, die heute die türkische Gegenwart prägen. Wer als Leser mit dem Helden Ka, einem aus Deutschland zurückgekehrten linken Dichter, in diese gottverlassene Stadt gereist ist, wird sie nicht wieder vergessen.