Was macht man, wenn man als nordkoreanischer Abgeordneter ausgerechnet zu einem Zeitpunkt auf Europareise ist, wo das eigene Land wegen des ersten Atomwaffentests gerade international noch stärker in Misskredit geraten ist, als dies ohnehin bereits der Fall war? Am besten, man schlägt einen Ton an, der von den kriegerischen Äußerungen der heimischen Führung möglichst weit entfernt ist.

Diese Devise hat sich offenbar auch Ri Yong Yok, der Delegationsleiter der kleinen nordkoreanischen Truppe, die derzeit Deutschland besucht, zu Eigen gemacht. "In den internationalen Beziehungen gibt es immer ein Auf und Ab", erwiderte er lakonisch, als der Parlamentarische Geschäftsführer der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Hartmut Koschyk, ihn am Mittwochabend bei einem gemeinsamen Abendessen mit der Empörung der deutschen Regierungsfraktionen über den Atomtest konfrontierte.

Während der vorangegangene Besuch der Nordkoreaner beim EU-Parlament planmäßig verlaufen war, wurde das Programm in Deutschland aus Protest gegen den Atomtest auf ein Minimum zusammengefahren. Die Teilnahme der Vizepräsidentin des Bundestags an dem Treffen wurde ebenso abgesagt wie ein Besuch im Auswärtigen Amt.

Ri Yong Yok kann das nicht weiter schrecken. Die diplomatischen Gepflogenheiten kennt der Mann, der nach dem Korea-Krieg in der DDR studierte, fließend deutsch spricht und jahrelang an der nordkoreanischen Botschaft in Ost-Berlin arbeitete, in- und auswendig.

Dazu gehört eben auch, dass man selbst nur in vorsichtigen Andeutungen redet. Immerhin gab der erfahrene koreanische Funktionär Koschyk zu verstehen, dass die gegenwärtigen Vorfälle sich allein auf das Verhältnis Nordkoreas zu den USA bezögen. Der CSU-Parlamentarier zeigte sich denn auch hinterher in seiner Ansicht bestätigt, dass das wesentliche Anliegen der Nordkoreaner darin bestehe, die USA zu einem Strategiewechsel gegenüber ihrem Land zu bewegen.