Die Befürchtung, Nordkorea könnte einen zweiten Atomtest unternehmen, ist so unplausibel nicht. Denn wenn das Regime im nuklearen Klub ernst genommen werden will, dann muss es sich wenigstens den Anschein geben, auf die gleiche Weise zu testen wie die etablierten Atommächte, und das wiederum bedeutet, dass ein einziger Knall nicht genügt; auch Atomtests sind Experimente, und sie verlangen nach Wiederholung zum Zwecke des Vergleichs; zumal, wenn sie womöglich fehlschlugen . Amerikanische Medien sprechen von Satellitenaufnahmen, die möglicherweise Vorbereitungen eines zweiten Tests zeigen, die Krise wird die Welt also nicht verlassen.

Was also tun? Das fragt auch die Pulitzer-Preisträgerin Anne Applebaum in der Washington Post , und sie ergänzt: Wieso gilt es eigentlich als ausgemacht, dass die Vereinigten Staaten die Last tragen müssen, das Problem zu lösen? „Es gibt schließlich ein ganz bestimmtes Land, das die militärische, wirtschaftliche und politische Kraft innehat, Nordkorea nicht nur zu zwingen, die Bombe aufzugeben, sondern sogar das Regime zu stürzen“: China, selbstverständlich.

Peking könnte den Ölhahn zudrehen, den Handel unterbinden, vor allem aber eine Taktik anwenden, die schon die DDR zu Fall brachte, nämlich die Grenze zu Nordkorea öffnen anstatt sie, wie gegenwärtig, dicht zu machen. Nordkorea, schließt Applebaum, sei jedenfalls und zuvörderst Chinas Problem, „denn nicht nur, dass China dasjenige Land mit dem größten Einfluss auf Nordkorea ist, sondern auch, dass es – zusammen mit Südkorea und Japan – zu den Ländern gehört, die von den nordkoreanischen Atomwaffen am meisten bedroht werden.“

In Japan wird diese Bedrohung als existenziell empfunden. Mehr als 80 Prozent der Bevölkerung, davon berichtet Japans Daily Yomiuri , sieht das so. Und gefragt, ob das Land sich die Fähigkeit zulegen sollte, nordkoreanische Raketenbasen anzugreifen, antworteten bemerkenswerte 41 Prozent mit „ja“. Vom japanischen Verfassungspazifismus ist dieser Tage nicht mehr viel zu spüren. Die gleiche Zeitung kommentiert, nun müsse die japanische Regierung sorgfältig überlegen, wie sie die UN-Resolution umzusetzen gedenke, der zufolge keine militärischen und Luxusgüter nach Nordkorea gelangen dürfen, denn das zöge ja Inspektionen von Frachtschiffen nach sich, die im nordkoreanischen Raum operieren. Es könnte demnächst zu zwangsweisen Inspektionen kommen, ausgeführt von einer Koalition unter amerikanischer Führung, und Japan dürfe in dem Fall nicht abseits stehen.