Der Literatur-Nobelpreis für Orhan Pamuk ist mir eine große Freude. Orhan Pamuk ist ein großer Autor der Freiheit.

Er lotet in seinen Büchern die Bruchstelle zwischen dem individuellen Ich und dem kollektiven Wir der türkisch-muslimischen Gesellschaft aus. Er fragt in Rot ist mein Name nach dem islamischen Bilderverbot, in Schnee nach den Gründen für den Islamismus und Nationalismus, er schreibt so wunderbar über sich und unsere gemeinsame Geburtsstadt Istanbul . Und in seinem ersten Roman Das schwarze Buch über die verstörende Freiheit in der Zweierbeziehung.

Der große Familienroman Cevdet Bey und seine Söhne , den es leider noch nicht auf Deutsch gibt, erzählt die Geschichte einer Familie am Übergang vom osmanischem Reich zur türkischen Republik. Immer sind seine Bücher von der großen Liebe zu seinen Protagonisten geprägt, gleichzeitig verleugnen sie nicht den Preis, den die individuelle Freiheit hat und warum man trotzdem dafür kämpfen muss.

Mit ihm wird ein großer Schriftsteller geehrt. Ich hoffe, dass auch die Gesellschaft in der Türkei erkennt, dass Großes nur in der Freiheit entsteht und dass endlich aufgehört wird, Schriftsteller bei kritischen Tönen wegen "Verunglimpfung des Türkentums" zu verfolgen.

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