Das Geschäft mit dem Wasser ist nicht für jeden Investor ein Selbstläufer. Die RWE zumindest hatte erst vor sechs Jahren Thames Water erworben, mit großen Hoffnungen - jetzt verkauft der deutsche Versorger seine britische Tochter an ein Konsortium unter Führung der australischen Macquarie Bank. Auch seine US-Wassertochter will der Konzern loswerden. Als Gründe werden geringe Renditen genannt und die Notwendigkeit hoher Investitionen, während zugleich die Vorgaben der Regulierungsbehörden niedrige Preise erzwängen. Da widmet sich RWE lieber ganz dem gewinnträchtigeren Geschäft mit Strom und Gas.

Kann man mit Wasser überhaupt Geld verdienen? Lange schien die Antwort eindeutig "ja" zu lauten. Vor allem in den neunziger Jahren witterten viele Versorger lohnende Geschäfte in Entwicklungs- und Schwellenländern, unter ihnen die global aktiven Unternehmen Veolia – ehemals Compagnie Générale des Eaux – und der französisch-belgische Suez-Konzern. Ihren politischen Partnern, allen voran die Weltbank, erschien privates Kapital der Schlüssel zu einer besseren Versorgung der Menschen mit Trinkwasser zu sein, man hoffte auf bessere Leitungen, weniger Verschwendung und Anschlüsse für immer mehr Familien. Mit privaten Unternehmen wollten sie sogar das Ziel der UNO erreichen, bis zum Jahr 2015 die Zahl der Menschen ohne Trinkwasserzugang zu halbieren. Geschäfte machen und dabei Gutes tun, was wollte man mehr?

Doch schnell folgte die Ernüchterung - auf beiden Seiten. Auch Nichtregierungsorganisationen warfen den Konzernen schnell vor, Absprachen nicht einzuhalten, zu wenig Geld in die Infrastruktur zu stecken und die Ärmsten außen vor zu lassen.

Das Grundproblem des Wassergeschäfts: Eine vernünftige Versorgung ist nur durch hohe Investitionen zu erreichen. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit schätzt, dass in den Entwicklungsländern jährlich bis zu 60 Milliarden Dollar an Kapital fehlen. Private Unternehmen investieren dort jährlich rund 800 Millionen Dollar, aber das deckt nur einen Bruchteil des Bedarfs. Häufig haben die Investoren von ihren klammen öffentlichen Vorgängern auch noch völlig marode Betriebe übernommen. So konnten sie in kürzester Zeit nicht, wie erhofft, eine Wasserversorgung auf dem Niveau der Industrieländer garantieren.

Es gibt zwar auch erfolgreiche Projekte, zum Beispiel in Chile, Kolumbien oder Peru. Bekannt wurden aber vor allem die Fehlschläge in Bolivien und Argentinien – und das, obwohl in der bolivianischen Hauptstadt La Paz die Versorgungslage durch einen privaten Investor besser war als in den meisten anderen Städten des Landes - bei niedrigeren Tarifen, sagt Wolfgang Kroh, Vorstand der KfW-Bankengruppe. Dennoch brachten aufgebrachte Nachbarschaftsverbände die Regierung dazu, die Konzession zu kündigen. Und in Argentinien scheiterte der französische Suez-Konzern an der Währungskrise des Jahres 2001. Die Wassergebühren wurden eingefroren, und das Unternehmen zog sich aus dem Geschäft zurück, nachdem es bereits 1, 7 Milliarden Dollar investiert hatte.

Heute verlassen die Konzerne Lateinamerika, auch wegen der vielerorts unsicheren politischen Lage. Das Geschäft mit dem Wasser haben sie aber noch nicht aufgegeben, denn der Bedarf an Investitionen ist nach wie vor hoch: Immer noch leidet ein Drittel der Weltbevölkerung an Wassermangel, sterben täglich 6000 Menschen an den Folgen von Wasserverschmutzung. In vielen Entwicklungsländern bleibt die Wasserversorgung vollkommen unzureichend – beispielsweise geht in manchen größeren Städten mehr als die Hälfte des Wassers durch Leitungslecks und illegalen Konsum verloren, sagt KfW-Fachmann Kroh.