"Vor Spielfreude gesprüht"

"Viele haben gesagt, dass es schwierig wird, nach der WM das Niveau zu halten. Wir haben aber auch nach der WM bewiesen, dass wir guten Fußball spielen können. Ich glaube, in der ersten Halbzeit war das eine Klasse-Leistung." So kommentiert Lukas Podolski den Auftritt der deutschen Nationalmannschaft in der Slowakei. In imponierender Weise hat die Mannschaft auch den Auswärts-Härtetest gemeistert. Mit einem hochverdienten 4:1 -Sieg hat die DFB-Elf die Weichen für die Europameisterschaft 2008 gestellt. Lukas Podolski sowie Michael Ballack und Bastian Schweinsteiger erzielten am Mittwochabend in Bratislava die Tore zum dritten Erfolg im dritten Qualifikationsspiel.

"Man kann stolz sein auf diese Mannschaft, sie hat vor Spielfreude nur so gesprüht", meinte Löw nach der Partie hochzufrieden. "Das war ein großer Schritt Richtung EM. Wir haben außerdem bewiesen, dass wir auch auswärts gegen einen starken Gegner gewinnen können." Kapitän Ballack sah "eine sehr, sehr beeindruckende Leistung, vor allem in der ersten Halbzeit. Die Mannschaft hat sehr reif gewirkt und die Chancen eiskalt genutzt."

Anders als beim 0:2 vor 13 Monaten an gleicher Stelle übernahm die DFB-Auswahl sofort die Initiative und suchte angeführt vom starken Kapitän Ballack zielstrebig den Weg zum Tor. Löws Elf des Vertrauens, in die nach dem Sieg gegen Georgien wie erwartet die Stammkräfte Lehmann, Philipp Lahm, Torsten Frings, Miroslav Klose und Bernd Schneider zurückkehrten, wusste über weite Strecken der einseitigen Begegnung vollauf zu überzeugen und setzte die Reihe der beeindrucken Leistungen nach der Heim-WM nun auch auswärts fort. Die Slowaken hingegen wurden einmal mehr ihrem Ruf gerecht, in wichtigen Spielen zu versagen.

Bei optimalen Bedingungen führte gleich der erste gelungene Angriff zur frühen Führung: Schneider passte gekonnt auf Klose, dessen Vorlage Podolski mit seinem schwächeren rechten Fuß problemlos einschießen konnte. Der bereits sechste Treffer des Münchners in der laufenden EM-Qualifikation war zugleich Podolskis richtige Antwort auf seinen Platzverweis am vergangenen Samstag. Die Deutschen hatten viel Raum für ihr Spiel und kamen gegen die wenig stabil und sehr langsam wirkende Hintermannschaft des Gegners folgerichtig zu weiteren guten Szenen: Klose hätte nach Podolskis Maßflanke schon für das 2:0 sorgen müssen, doch er köpfte freistehend drüber. Sieben Minuten später machte es Ballack nach Lahms Flanke besser: Mit seinem 34. Länderspiel-Tor zog der Kapitänauf Platz acht der ewigen Torschützenliste gleich.

Die Slowaken hatten in der Defensive große Probleme und fanden in der Offensive so gut wie gar nicht statt. Auch die Bundesliga-Profis Marek Mintal, Robert Vittek und Miroslav Karhan, im Vorjahr die Väter des Erfolges, bekamen das Spiel der früh demoralisiert wirkenden Hausherren nicht in den Griff. Noch vor der Pause fiel das 0:3, als Kamil Contofalsky einen Ballack-Schuss nicht festhielt und Schweinsteiger abstauben konnte.

"Ich bin zwar noch nicht lange dabei, aber seit ich hier bin, war das die beste Halbzeit", sagte Co-Trainer Hans Flick zufrieden in der Pause, in der es jedoch zu ersten Auseinandersetzungen im deutschen Fan-Block mit der Polizei kam. Von wem die Gewalt ausging und ob es zu Festnahmen kam, war zunächst nicht bekannt. "Das ist traurig und das verurteilen wir natürlich auch", meinte Flick dennoch.

"Vor Spielfreude gesprüht"

Nach dem Wiederanpfiff gestaltete sich die Partie für seine Akteure zunächst wie ein Schaulaufen, doch als Varga nach Lehmanns erstem Fehler als Deutschlands Nummer 1 einköpfen konnte, kam zumindest vorübergehend wieder etwas Spannung auf. Das erste Gegentor unter Löw nach 417 Minuten ließ die Hoffnungen der Slowaken kurzzeitig aufflackern. Doch die Abwehr um den Bremer Clemens Fritz, der auch in seinem zweiten Länderspiel zu überzeugen vermochte, hielt den Bemühungen stand. Mit einem Klasse-Konter über Klose, dessen Zusammenspiel mit Podolski eine Augenweide war, sorgte das Löw-Team für die endgültige Entscheidung.

Mit 9 Punkten belegt Deutschland nun hinter Tschechien, die ein Spiel mehr absolviert haben, den zweiten Platz in der Gruppe D und kann damit gelassen dem Jahresausklang am 15. November auf Zypern entgegensehen.