Deutschlands 4:1 Sieg gegen die Slowaken war hochverdient. Dieses Spiel passt in die positive Entwicklung der Nationalmannschaft. Mit dem hohen Tempo in der ersten Halbzeit hat das Team von Jogi Löw den Gegner geradezu überrumpelt. Dennoch hat die gezeigte Leistung noch nichts mit Weltklassefußball zu tun, so wie viele Medien die Partie bejubelten. Dafür gibt es verschiedene Gründe.

Die Tore, Kombinationen und der Spielgestaltung der Nationalmannschaft waren tatsächlich sehenswert. Aber sie gelangen mit freundlicher Unterstützung der Slowaken, die sich nicht als ebenbürtiger Gegner erwiesen. Die Osteuropäer, gegen die Deutschland vor einem Jahr noch mit 0:2 verloren hat, wirkte verschlafen, langsam und zweikampfschwach. Gegen solche Kontrahenten ist es leicht, attraktiv und überlegen zu spielen. Die Tore in der ersten Halbzeit resultierten ausschließlich aus Fehlern und Unzulänglichkeiten der Heimmannschaft. Beim ersten Treffer durch Podolski konnte Klose mühelos die gesamte Abwehr umlaufen. Beim zweiten Tore stand Michael Ballack unbewacht mitten im Strafraum, und beim dritten Erfolg patzte der schwache Torwart. Die gegnerische Defensive half so dem deutschen Sturm.

Es ist erkennbar, dass sich Löws Mannschaft noch in einer Entwicklungsphase befindet. Das ist ganz natürlich und nicht negativ auszulegen. Denn zum einen wird während der Qualifikation zwischen großen Turnieren immer kontinuierlich an taktischen Konzepten und dem spielerischen Zusammenspiel gearbeitet. Zum anderen ist Löw nun seit drei Monaten alleine auf sich gestellt und führt mit eigenem Stil fort, was Jürgen Klinsmann und er vor der WM aufgebaut haben.

Auf dem Platz sieht man, dass sich die Abwehr, trotz guter Leistung, noch nicht komplett gefunden hat. Das ist auch noch nicht möglich, da der Bundestrainer die Formation nach der WM verletzungsbedingt komplett umstellen musste. Mit den Friedrichs in der Innenverteidigung hat Deutschland zwei starke Verteidiger, denen aber noch offensive Qualität fehlt. Per Mertesacker wird nach seiner Genesung in den zentralen Defensivraum zurückkehren. Dann wird sich die Struktur hinten wieder ändern. Der Coach und sein Assistent Hansi Flick müssen weiter an diesem Mannschaftsteil arbeiten.

Um wirklich zur Weltspitze des Fußballs zu gehören, muss die deutsche Elf vor allem gegen  Topteams beweisen, dass man gegen diese bestehen und diese auch souverän schlagen kann. Die Slowaken haben gezeigt, dass sie noch nicht zur europäischen Spitze gehören. Frühestens bei der EM, die Deutschland problemlos erreichen wird, kann die DFB-Auswahl zeigen, ob sie zur belle etage gehört. Die Leistungsdichte bei einer Europameisterschaft ist höher als bei der Weltmeisterschaft. Schon in der ersten Runde, der Gruppenpahse, könnten Gegner wie Italien, England, Holland oder Frankreich warten. Dann erst läßt sich ein Urteil über die tatsächliche Klasse der Löw-Truppe fällen. Bei den meisten Kontrahenten in der Qualifikation läßt sich nur feststellen, dass die DFB-Auswahl zu den dominierenden Mannschaften gehört.

Die Qualifikationsbegegnung gegen die Slowakei gibt Anlass, an die Entwicklung des Teams zu glauben. Die Mannschaft entwickelt sich Schritt für Schritt und es benötigt keine Weltmeisterschaft im eigenen Land, um überzeugend und attraktiv zu spielen. Gerade die Harmonie zwischen den Mittelfeld und dem Sturm ist für den Erfolg generell und den gegen die Slowaken im Besonderen, von großer Bedeutung. Miroslavs Klose als Vorbereiter ist sehr wertvoll. In der Presse wird er zu schlecht benotet - zu Unrecht. Denn seine genauen Pässe zu Lukas Podolski waren der Grundstein für den Sieg. Der Münchener konnte erneut seine Torgefährlichkeit unter Beweis stellen können. Anscheinend ist er immer dann am stärksten, wenn er medial oder Mannschafts-intern unter Druck steht. Schweinsteiger, Ballack und Schneider liefern nicht nur Tore, sondern auch die Vorlagen und bilden die ideale Ergänzung zum Sturm. Die Qualität der Offensive ist die Basis für die Entwicklung der Mannschaft, die das Potential besitzt, um in die Weltspitze vorzurücken.