Jeden Morgen sitzen wir zu dritt beim Frühstück: Metal, sie und ich. Der Metal muss meist aufstehen und ausgehen, aber manchmal überrede ich meine Liebste mit teurem Schinken und frischen Brötchen. Dann gibt es ruhige, schleppende, tieftraurig walzende Stücke. Ich schwelge und schwärme. Sie seufzt.

Ich bin leidenschaftlicher Radrennfahrer und trainiere fast täglich. Auf der Straße habe ich Metal im Ohr. Wenn es dunkel wird, stelle ich mir immer vor, einen Film über einen Radrennfahrer zu drehen. Man sieht im Dämmer liegende Kornfelder. Die Kamera streift das Korn, die Beine des Fahrers und nimmt dann seinen leeren Blick ins Visier. Die Bilder wären mit ruhigem Metal unterlegt oder mit Hurt von Johnny Cash. Jedes Mal bekomme ich eine Gänsehaut. Diese Hingabe an einen Sport kann nur Metal unterstreichen: diese Härte, diese Isolation im Training.

Ich höre auch die Platten noch, die ich mir mit sieben gekauft habe. Mein Bruder legte True Blue der wasserstoffblonden Madonna auf; ich stellte dauergewellte Metallermähnen dagegen. Er gewann immer. Seine Anlage war besser.

Ich weiß gar nicht mehr, wie unsere Eltern den Musikgeschmack ihres Jüngsten fanden. Ich sang den Chorus von Sodom mit, in dem es ums Ausbomben ging. Katzenmusik, sagte meine Mutter mal; Naturkatastrophe, mein Vater. Das war’s. Ihr achtundsechziger Ansatz zerschellte an unserer Schrankwand. Jefferson Airplane flogen über mich hinweg, die Rolling Stones rollten an mir vorbei.

Noch heute ist mir Metal ein Kokon, in den ich mich zurückziehe, wenn mir die Welt mit ihrem Glitzer und ihrer Tiefkühlpizza zuviel wird. Zum Jubiläum habe ich meine 20 Favoriten auf eine CD gebrannt. Meine Nachbarn wecke ich jetzt morgens mit Metallica: Ride The Lightning.

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