Dieses Mal, dachten alle, hat es den alten Fuchs doch erwischt. Als sich vor einem Monat die polnische Regierungskoalition in ihre Bestandteile auflöste, schien die Zeit des kühlen Taktikers Jarosław Kaczyński vorbei. Der Mann, der binnen eines Jahres aus einer tolerierten Minderheitsregierung ein Bündnis dreier Rechtsparteien geschmiedet hatte, stand vor einem Scherbenhaufen, der sich kaum noch kitten ließ. Er war ein Premier ohne Mehrheit, die Umfragewerte seiner Partei im Keller, die Opposition forderte Neuwahlen, Menschen gingen auf die Straße .

Seit gestern Abend hat derselbe Mann seine alte Macht zurück, sein Vizepremier und Agrarminister ist wieder Andrzej Lepper – der Lepper, der im September als "politischer Hooligan" aus dem Kabinett flog und damit die gesamte Regierung in die Krise stürzte. Die alte Koalition wird wohl, mit einigen Abgeordneten weniger, in fast gleicher Konstellation wie vor einem Monat wieder zusammenkommen. Vorgezogene Wahlen sind fürs Erste vom Tisch, Kaczyński hat mal wieder gewonnen. Hat er wirklich?

Noch ist Lepper nicht wieder vereidigt. Und selbst wenn alle Formalien erledigt sind, ist es gut möglich, dass die Freude über die neue Einigkeit nicht lange währt. Das Grundproblem ist nämlich alles andere als gelöst. Die Partei von Jarosław Kaczyński, Recht und Gerechtigkeit , hat keine Mehrheit für eine eigene Regierung und ist auf die rechte Liga Polnischer Familien und die Samoobrona (Selbstverteidigung) von Andrzej Lepper angewiesen. Will er die Legislaturperiode bis 2009 überstehen, muss der Regierungschef versuchen, alle drei Parteien in einem Rechtsblock zu bündeln. Das geht aber nur auf Kosten der beiden kleineren Koalitionspartner.

Paradoxerweise sind es die vielen Gemeinsamkeiten der drei Parteien, die das gemeinsame Regieren schwer gemacht haben: Sie alle wollen einen starken Staat, wenden sich gegen weitere liberale Wirtschaftsreformen und stehen der EU kritisch gegenüber – auch wenn kaum jemand ernsthaft leugnet, dass Polen von den Subventionen der Union profitiert. Wo viel Konsens ist, bleibt wenig Raum für politisches Profil. Die zahlenmäßig überlegene und besser vernetzte Recht und Gerechtigkeit dominierte schnell das Geschehen in der Koalition.

Doch Zurückstecken ist nicht die Stärke von Andrzej Lepper. Der begann seine politische Karriere auf dem Land. Als Anführer der Bauernproteste gegen die EU hat er sich mit Populismus profiliert, ließ Straßen blockieren und missliebige Beamte mit Schubkarren auf den Misthaufen befördern. Nun musste Lepper Nadelstreifenanzüge tragen, die an dem ehemaligen Boxer stets aussehen, als wären sie ihm zu eng.

Um in der Regierung Kaczyński nicht zu verblassen, blieb Lepper nichts anderes übrig als querzutreiben. Er konzentrierte seinen Widerstand auf den Haushaltsentwurf für 2007, forderte höhere Sozialausgaben und polterte gegen die polnischen Truppen im Irak und Afghanistan. Bis es dem Regierungschef zu bunt wurde. Anfang September bat Jarosław Kaczyński seinen Bruder Lech, den Staatspräsidenten, Lepper zu entlassen. Strategiewechsel.