In Darfur fehlen nicht nur die Blauhelme der UN, sondern demnächst auch der Sondergesandte der Vereinten Nationen. Die sudanesische Regierung hat den Niederländer Jan Pronk des Landes verwiesen, weil dieser "psychologische Kriegsführung" gegen den Sudan betrieben habe.

Pronk, von UN-Generalsekretär Kofi Annan 2004 als Chef der UN-Mission nach Khartum geschickt, hatte auf seiner privaten Website über die sinkende Moral in der sudanesischen Armee geschrieben, die in den letzten Wochen mehrere schwere Niederlagen gegen Rebellen in Darfur erlitten haben soll. Seine Privatmeinung zu einem Konflikt öffentlich zu machen, den man selber schlichten soll, zeugt nicht unbedingt von diplomatischem Fingerspitzengefühl. Aber für entsprechende Ermahnungen ist es nun zu spät.

Mit der Ausweisung Pronks ist die Beziehung zwischen dem Regime in Khartum und den Vereinten Nationen auf einen neuen Tiefpunkt gesunken.

In Darfur eskaliert unterdessen der Krieg zwischen Armee und einem Gewirr von Rebellengruppen. Gerade weil diese in den vergangenen Wochen militärische Erfolge verzeichnen konnten, rechnen Beobachter mit einer verstärkten Offensive der sudanesischen Armee: Bombenangriffe auf Dörfer, Attacken von Bodentruppen und den berüchtigten arabisch-stämmigen Reitermilizen, den Janjaweed.

Diese haben in den drei Jahren dieses Konflikts tausende von Dörfern niedergebrannt, ihre afrikanisch-stämmigen Bewohner massakriert oder vertrieben. Finanziert und gelenkt werden sie von der Regierung in Khartum, was diese hartnäckig abstreitet. Nun hat ein ehemaliger Janjaweed-Kämpfer in einem Interview mit der BBC die Kommandokette der Einsätze geschildert, an denen er teilgenommen hatte: "Zuerst griffen die Kampfflugzeuge an. Wir sahen den Rauch und die Flammen und rückten nach. Wann immer wir in einem Dorf auf Widerstand treffen, töten wir alle. Manchmal gab es Befehle, ein ganzes Dorf auszulöschen. Dann hieß es: ‚Tötet! Tötet! Tötet!’ Und dann töteten wir eben. ... Die Janjaweed treffen keine Entscheidungen. Die Befehle kommen von der Regierung."

Mehr als 200.000 Menschen sind in diesem Krieg bislang gestorben – die große Mehrheit von ihnen Zivilisten. Millionen leben als Vertriebene in Lagern und sind nun aufgrund der militärischen Eskalation von jeglichen Hilfslieferungen abgeschnitten. Vertreter humanitärer Organisationen befürchten hunderttausende weiterer Todesopfer.