Berlin/Tel Aviv (dpa) - Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Berlin bestätigte, dass die israelische Luftwaffe über einem Schiff der Deutschen Marine Schüsse abgefeuert hat. Eine israelische Armee-Sprecherin bestritt dagegen, dass irgendein Schuss auf das Schiff abgegeben worden sei. Nach ihrer Darstellung war ein Hubschrauber von dem deutschen Schiff aufgestiegen, ohne dass dies mit Israel abgestimmt gewesen sei. Kampfflugzeuge hätten den Helikopter dann zur Umkehr gezwungen. Dieser Schilderung wurde wiederum im Berliner Ministerium widersprochen. Der israelische Verteidigungsminister Amir Perez versicherte seinem deutschen Amtskollegen Franz Josef Jung, dass sein Land nicht beabsichtige, aggressiv gegen deutsche Streitkräfte vorzugehen. Nach Darstellung der »Stuttgarter Zeitung« gab es »auf diplomatischen Kanälen« deutliche Kritik am Vorgehen der israelischen Luftwaffe. »Auch der israelische Botschafter in Berlin hat sich einiges anhören müssen«, berichtet die Zeitung unter Berufung auf gut unterrichtete Regierungskreise. In der kommenden Woche wird Jung in Israel erwartet. Das besagte Schiff gehört nicht zum internationalen Einsatzverband UNIFIL. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Berlin bestätigte am Donnerstag entsprechende Berichte der »Stuttgarter Zeitung« und der »Welt« (Freitag). Es handele sich um das Flottendienstschiff »Alster«, das lediglich »im Rahmen von UNIFIL« vor der libanesischen Küste im Einsatz sei. Auf der »Alster« gibt es angeblich keinen Hubschrauber. Der von der israelischen Armee-Sprecherin geschilderte Vorfall, bei dem ein deutscher Helikopter von israelischen Fliegern bedrängt wurde, habe bereits vor Tagen stattgefunden, ohne dass dies Aufsehen erregt hätte. Es bestehe »kein zeitlicher oder geographischer Zusammenhang« mit dem Vorfall vom Dienstag, sagte der Ministeriumssprecher. Nach Angaben des Berliner Verteidigungsministeriums hatten am Dienstagvormittag sechs israelische F-16-Jäger das deutsche Marineschiff in geringer Höhe überflogen. Dabei seien »Infrarot- Täuschkörper« abgeworfen und aus einer der Maschinen zwei ungezielte Schüsse in die Luft abgefeuert worden. Nach israelischen Angaben ereignete sich der Zwischenfall nahe der israelisch-libanesischen Grenze auf der Höhe des nordisraelischen Ortes Rosch Hanikra. Die Deutsche Marine patrouilliert seit dem 16. Oktober vor der Küste Libanons, um Waffenschmuggel für die radikalislamische Hisbollah zu unterbinden. Medienberichte über veränderte Voraussetzungen für den deutschen Einsatz im Rahmen der UNIFIL-Mission wurden vom Berliner Verteidigungsministerium dementiert. Nach einem Bericht der »Süddeutschen Zeitung« wurden die Einsatzmöglichkeiten deutlich eingeschränkt. Die Opposition fordert Aufklärung und Einsicht in entsprechende Protokolle. Perez kündigte indes eine Fortsetzung der israelischen Militärflüge über dem Libanon an. Solange Beirut nicht die UN-Resolution 1701 umsetze, seien die Flüge als Sicherheitsmaßnahme nötig, zitierten israelische Medien Perez nach einem Treffen mit dem EU-Chefdiplomaten Javier Solana. Perez forderte vor allem die Freilassung der zwei verschleppten israelischen Soldaten, aber auch eine organisierte Überwachung der libanesisch-syrischen Grenze zur Abwehr von Waffenschmuggel.