Die Misstöne waren unüberhörbar, als am Donnerstag die 94. Tour de France im Pariser Palais des Congrès vorgestellt wurde - noch immer ist die Situation um den vermeintlichen letzten Toursieger Floyd Landis ungeklärt. Der des Testosteron-Dopings überführte Amerikaner blieb der Veranstaltung fern, sein sportgerichtlicher Prozess in den USA dauert an. Im filmischen Rückblick auf die Tour '06 zoomte die Kamera dennoch auf Landis - um sein Bild auf der Leinwand schließlich zerplatzen zu lassen. Dafür gab es vereinzelt Applaus.

Landis unterdessen will im gegen ihn geführten Prozess Verfahrensfehler geltend machen, der Ausgang der Verhandlungen ist daher noch in der Schwebe. Die spanische Sportzeitung AS zitierte Team-Chef José Miguel Echavarri, der mit Klage droht, falls sein Fahrer Oscar Pereiro nicht am Grünen Tisch zum Sieger der Tour 2006 erklärt werden sollte. »Moralischer Sieger zu sein, hat für mich keine Bedeutung«, hatte Pereiro verkündet. Der Tour-Dritte Andreas Klöden feiert derweil Flitterwochen und verzichtete ebenfalls auf die Reise nach Paris.

Nach den Meinungsverschiedenheiten im gemeinsamen Vorgehen gegen das erdrückende Dopingproblem der Tour war der Präsident des Radsportweltverbands UCI, Pat McQuaid (Irland), dagegen gar nicht erst eingeladen worden. Die Tour-Organisatoren führen in Fragen der ProTour-Rennen die Opposition gegen die UCI an. Begründet wurde der Affront gegen den UCI-Chef dennoch mit der Unvereinbarkeit der Anti-Doping-Konzepte. Wie die Weltantidopingagentur WADA hatten auch die Tour-Leiter der UCI mehrmals Nachlässigkeiten in Doping-Fragen vorgeworfen.

Der langjährige Tour-Direktor Leblanc wird die Geschäfte am Donnerstag offiziell in die Hände von Christian Prudhommes übergeben. In Paris mahnte er: »Der Radsport muss seine Glaubwürdigkeit zurück erkämpfen. Das ist eine Mission, eine Pflicht für diesen Sport, die durch die Affären dieses Jahres nötig wurde." Die gesamte Radsport-Gemeinde, insbesondere die Mannschaften, ihre Fahrer und ihre Ärzte, müssten alles dafür tun. Der ehemalige Radprofi und frühere Sportjournalist fügte hinzu: »Auch im Portemonnaie muss es wehtun. Warum sollten Betrüger nicht Gehälter und Prämien zurückzahlen müssen?«

Die kommende Tour wird sportlich nicht so schwer wie die vorangegangenen: Sie beginnt am 7. Juli 2007 in London und endet am 29. Juli, nach 3547 Kilometern Strecke traditionsgemäß auf den Pariser Champs-Elysées. Nach dem Acht-Kilometer-Prolog durch die Londoner Innenstadt und der ersten Etappe nach Canterbury setzt die Rundfahrt ihre Tour am 9. Juli in Belgien fort.

Die zweite Etappe führt über 167 Kilometer von Dünkirchen nach Gent. Im Uhrzeigersinn geht es anschließend über Chablis zuerst durch die Alpen und dann durch die Pyrenäen. Die traditionellen Anstiege nach L'Alpe d'Huez, auf den Tourmalet oder den Mont Ventoux werden ausgespart. Sechs Bergetappen stehen auf dem Programm. Abgesehen vom Prolog führen zwei Einzelzeitfahren auf der 13. und vorletzten Etappe über insgesamt 109 Kilometer.