Die Aussprache über das neue verteidigungspolitische Weißbuch der Bundesregierung , die der Bundestag am Donnerstagmorgen führte, stand gewissermaßen unter dem Zeichen des Totenkopfes. Nicht wenig Zeit verbrachten die Parlamentarier damit, einander ihre Empörung zu versichern. Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) lobte seine Truppe dafür, dass es ihr innerhalb von 24 Stunden gelungen sei, die sechs Tatbeteiligten zu ermitteln. "Vier sind nicht mehr bei der Bundeswehr, bei zwei weiteren werden alle Konsequenzen durchgesetzt", sagte der Minister. Er fügte hinzu, er habe Bundeswehr-Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan unter dem Eindruck der Bilder gebeten, die Ausbildungsrichtlinien noch einmal durchzusehen und sie gegebenenfalls zu ergänzen.

Deutschland wird nach Worten von Verteidigungsminister Jung trotz der zahlreichen Auslandseinsätze der Bundeswehr „keine Weltpolizei“. Den deutschen Interessen entspreche es aber, Bedrohungen dort abzuwehren, wo sie entstehen. Deshalb seien derzeit 9000 Soldaten auf drei Kontinenten im Einsatz.

Der Minister verteidigte in seiner Regierungserklärung sein Vorhaben, die Bundeswehr im Inland einzusetzen, wenn die Polizei im Bedrohungsfall an ihre Grenzen stoße. Freudig nahm er die „Gratulation“ des verteidigungspolitischen Sprechers der Unionsfraktion, Bernd Siebert, entgegen, der das Weißbuch einen „persönlichen Erfolg des Ministers“ nannte; von solchen Erfolgen hatte es bislang wenige gegeben.

Die FDP-Verteidigungsexpertin Birgit Homburger warf Jung vor, er habe mit dem Weißbuch ein "Dokument der verpassten Chancen" vorgelegt. Viele Fragen, auch zu Bundeswehreinsätzen im Inland, blieben offen; derart Unscharfes und Wolkiges vorzulegen, liefe auf eine Missachtung des Parlaments hinaus.