Die Welt ist in Männerhand. Unsere Kanzlerin bleibt die Ausnahme. Mein Chef ist ein Mann, seiner auch. Da Männergruppen und Softies keiner mehr haben will, dürfen Männer wieder öffentlich Machos sein. Sie sollen also nicht jammern. Oder? Inzwischen wissen wir, dass es so einfach nicht ist. Männer haben Probleme – oder sie bereiten uns welche.

Da hat zum Beispiel pünktlich zum Weltmännertag am 3. November das Statistische Bundesamt mitgeteilt, dass es immer weniger Männer gibt, die ein Studium abschließen – 9 Prozent weniger als vor zehn Jahren. Absolventinnen gibt es hingegen so viele, dass die Studienabschlüsse im Jahr 2005 insgesamt einen neuen Rekordwert erreichten. Von dieser Meldung ist der Weg nicht weit zu der schon bekannten Hiobsbotschaft, dass Jungen in der Schule schlechter abschneiden als Mädchen und schlechter gefördert werden. Im Kindergarten treffen sie nur auf Erzieherinnen, die ihre Bedürfnisse nicht schätzen und fördern, in der Grundschule geht es so weiter.

Männer gelten auch als die Bremser der demografischen Entwicklung. Vor allem junge Männer wollen einer Umfrage zufolge aus Angst vor der Verantwortung keine Familie gründen. Die Angst sei umso größer, je höher der Bildungsabschluss ist. Der Anteil der 18- bis 39-Jährigen, die sich Hochzeit und Nachwuchs verweigern, hat in den vergangenen drei Jahren von 34 auf 43 Prozent zugenommen, wie das BAT Freizeitforschungsinstitut gerade berichtete. "In der aktuellen Diskussion über die Emanzipation der Frau und ihre Doppelbelastung kommt die Rolle des Mannes viel zu kurz", meinte Institutsleiter Horst Opaschowski. "Offensichtlich fehlt vielen jungen Männern der Mut, sich lebenslang um Kinder zu kümmern und familiäre Verantwortung zu übernehmen." Die Rolle als Familienoberhaupt habe das "starke Geschlecht" weitgehend verloren, als Haupternährer werde es immer weniger gebraucht. Da ziehen sich die Männer offensichtlich lieber zurück.

Gegründet wurde der Weltmännertag im Jahr 2001 aus einem völlig anderen Grund von der Gorbatschow-Foundation, die Initiative kam aus Österreich. Eigentlich soll der Tag das Bewusstsein der Männer im gesundheitlichen Bereich erweitern, sagt Schirmherr Michail Gorbatschow. Anlass war auch ein statistisches Phänomen: Männer sterben früher als Frauen, das ist fast überall auf der Welt so. In Russland ist der Unterschied am größten. Frauen leben dort zehn Jahre länger als die Männer, in Frankreich acht und in Deutschland noch sechs Jahre.

Zwar gibt es wahrscheinlich auch biologische Ursachen dafür. Forscher untersuchen den Einfluss der Geschlechtshormone Östrogen und Testosteron auf das Immunsystem. Eine entscheidende Rolle spielt aber auf jeden Fall das Verhalten. Männer gehen seltener zum Arzt. Frank Sommer, Professor für Männergesundheit am Klinikum Hamburg-Eppendorf, sagt dazu: "Männer betreiben Reparaturmedizin, Frauen leisten Vorsorgemedizin." Der Mann quält sich erst zum Arzt, wenn ihm etwas weh tut. Die Angst, Schwäche zu zeigen oder schlechte Nachrichten zu bekommen, schreckt ab.