Während der Gouverneurs- und Kongresswahlen stimmten die Bürger im amerikanischen Bundesstaat Kalifornien nicht nur wieder für ihren konservativen Gouverneur Arnold Schwarzenegger, sondern auch für ein Gesetz, das Jessica’s Law genannt wird – benannt nach einem neunjährigen Mädchen aus Florida, das vor knapp zwei Jahren missbraucht und ermordet wurde.

Das Gesetz sieht deutlich längere Haftstrafen für Vergewaltiger und Kinderschänder vor. Sie sollen nie wieder näher als 700 Meter an Schulen, Parkanlagen oder Spielplätze herankommen dürfen. Ein GPS-Gerät, dass die Täter nach ihrer Entlassung aus dem Gefängnis am Körper tragen müssen, soll die Kontrolle darüber gewährleisten, ob sich die entlassenen Häftlinge an diese Sperrzonen halten - bis zu deren Lebensende. Kalifornien verschärft mit der neuen Regelung seine bestehenden Gesetze noch einmal drastisch. Dabei hat der Staat schon eine der schärfsten Gesetzgebungen für Sexualdelikte. Entlassene Straftäter müssen sich dort registrieren lassen. Ihr Aufenthaltsort ist öffentlich im Internet abrufbar.

Kalifornien hat sich in der jüngeren Vergangenheit zwei Dutzend neue Gefängnisse geleistet, gut 170.000 Männer und Frauen sitzen dort und in den älteren Anstalten ein. Das sind auf die Bevölkerung bezogen zehn Mal so viele Gefangene wie in Deutschland. Schon heute gibt Kalifornien mehr Geld für Strafanstalten aus als für Bildung.

Doch aus dem Thema lassen sich Wählerstimmen schlagen. Die Zustimmung von rund siebzig Prozent der wahlberechtigten Kalifornier zu dem Gesetz scheint das zu belegen: Sobald es um Kinder, Sexualstraftäter und vor allem um das Angstgefühl geht, in einer Gesellschaft zu leben, in der sich auch solche Menschen frei bewegen dürfen, entscheiden viele Bürger aus dem Bauch heraus. Die Befürworter des Gesetzes nennen es daher auch "eine weitere Schutzschicht um das Wertvollste was wir haben, unsere Kinder".