Mounir al-Motassadeq, der Helfer der Attentäter des 11. September 2001, ist nicht nur der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung schuldig, sondern auch der Beihilfe zum Mord in 246 Fällen. Diese Entscheidung hat heute der Bundesgerichtshof verkündet. Nun geht der Fall wieder zurück ans Oberlandesgericht Hamburg - schon zum zweiten Mal.

Der Fehler des Hamburger Gerichts: Obwohl es in seinem Urteil selbst feststellt, dass Motassadeq vage in die Pläne von Mohammed Atta und Co. eingeweiht war, in den USA Selbstmordanschläge mit Flugzeugen zu begehen, verurteilte es ihn im August 2005 nur wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung zu sieben Jahren Haft. Aus seinen eigenen Feststellungen hätte das OLG juristisch aber nur den Schluss ziehen dürfen, dass Motassadeq der Beihilfe zum vielfachen Mord schuldig ist - auch wenn er von der Dimension des Plans keine Ahnung hatte.

Zwar habe er sich nicht vorgestellt, dass bei den Anschlägen mehr als 3000 Menschen zu Tode kommen würden, so die obersten Richter. Allerdings umfasse sein Vorsatz den Mord an 246 Opfern. "In der neuen Verhandlung kann daran nicht mehr gerüttelt werden", sagte der Senatsvorsitzende Klaus Tolksdorf bei der Urteilsverkündung. Nun gehe es nur noch um die angemessene Strafe.

Schon einmal hatte der BGH eine Verurteilung Motassadeqs, seinerzeit zu 15 Jahren Haft, aufgehoben. Während damals noch Beweislücken eine Rolle spielten, für die die USA verantwortlich waren, sind die Fehler diesmal hausgemacht. Tolksdorfs Bilanz: Die juristische Aufarbeitung der verheerenden Attentate durch deutsche Gerichte "kann zweifelsohne nicht befriedigen". Der Richter führte nicht nur bei den Motassadeq-Prozessen den Vorsitz, sondern auch im Fall des Abdelghani Mzoudi.

Der Marokkaner Mzoudi ist ermittlungstechnisch so etwas wie ein Zwilling Motassadeqs: Beide standen der Hamburger Terrorzelle nahe, beide leisteten den späteren Attentätern kleine Helferdienste, beide reisten selbst ins Al-Qaida-Camp nach Afghanistan. Der entscheidende Unterschied: Mzoudi ist rechtskräftig freigesprochen und weilt längst in Marokko. Motassadeq, derzeit vorläufig auf freiem Fuß, darf sich wohl auf die Rückkehr in den Strafvollzug vorbereiten.

So könnte in Sachen 11. September am Ende allein Motassadeq verurteilt werden. Die Ermittlungen gegen den Hamburger Kaufmann und Al-Qaida-Kontaktmann Mamoun Darkazanli, ein guter Bekannter der Hamburger Terroristen, sind im Sommer nach jahrelangen Bemühungen eingestellt worden. Und Said Bahaji und Zekariya Essabar, zwei mutmaßliche Mitglieder der Zelle, sind irgendwo auf der Welt untergetaucht.

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