Der internationale Fußballverband FIFA zeigt Iran die rote Karte. Die Kicker des Gottesstaates dürfen bis auf Weiteres nicht mehr zu offiziellen Länderspielen antreten. Begründet wird dies mit der Einflussnahme des Staates auf Verbandsbelange, insonderheit mit der Absetzung des Verbandspräsidenten Mohammed Dagdan durch die Regierung nach der für Teheran enttäuschend verlaufenden WM 2006 .

Das wird Folgen haben. Fußball ist Irans liebster Sport, und wenn auch das Regime sämtliche Vergnügungen für unislamisch hält, diese eine rund um den Lederball kann es nicht unterdrücken. Also dreht Präsident Ahmadineschad den Spieß um, stellt sich als Fußballfan dar und färbt den nationalistischen Ton seiner Propaganda ein wenig kräftiger ein. Mögen Länderspiele auch die Gelegenheit oppositioneller Kräfte sein, beispielsweise gegen den Ausschluss der Frauen von den Zuschauerbänken zu protestieren, sie werden doch gleichwohl vom Regime genutzt, um dem eigenen Volk zu zeigen: Iran spielt weltweit mit, auf dem Rasen wie auf dem diplomatischen Parkett. Man hört, das Propagandaministerium bezuschusse Spiele gegen Vereine aus dem Ausland, ein Umstand, der schon zu kritischen Fragen an deutsche Teams führte .

Irans Präsident wird die Gelegenheit kaum verstreichen lassen, sein Land erneut als Opfer böser fremder Mächte darzustellen; schließlich wurde gleichzeitig mit dem FIFA-Beschluss bekannt, dass die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) in Wien einen Antrag Irans von der Tagesordnung wieder abgesetzt hat, in dem das Land um sicherheitstechnische Hilfe für die Errichtung eines Atomreaktors bittet (eines Reaktors, der sich bestens zur Produktion von Waffenplutonium eignen würde, das muss hinzugefügt werden).

Die Vorstellung, die FIFA verteidige die Reinheit des Sports, mutet zwar exotisch an, und überdies ist der Mann, den sie als alleinigen legitimen Vertreter des iranischen Fußballs ansieht, offenkundig keine Lichtgestalt. Dargan wird Vetternwirtschaft im großen Stil nachgesagt. Aber für sich genommen ist an der Entscheidung des Weltverbandes nichts auszusetzen. Die gleiche FIFA hat stramm durchgehalten, als von ihr der Ausschluss Irans von der Weltmeisterschaft 2006 verlangt wurde - zu Recht. Und doch müssen sich die Weltfußballfunktionäre fragen lassen, ob sie die Nebenwirkungen ihres Beschlusses bedacht haben. Dies ist nicht die richtige Zeit, Iran in die Isolation zu treiben.