Wenn es ganz schlimm kommt, könnte die Angelegenheit Klaus Kleinfeld den Job kosten. So spekuliert jedenfalls das Handelsblatt an diesem Freitag. Nach der Pleite von Benq treffen ihn die Korruptionsvorwürfe gegen hohe Manager und Ex-Manager seines Unternehmens in einem gefährlichen Moment. Denn im kommenden Frühjahr muss der Siemens-Aufsichtsrat entscheiden, ob er den Vertrag mit Vorstandschef Kleinfeld verlängern will. Der könnte jedoch zu dem Schluss kommen, schreibt der Kommentator, "der Ruf des Unternehmens sei nur noch mit einem personellen Befreiungsschlag zu retten."

Die kriminellen Machenschaften, denen die Staatsanwaltschaft nachgeht, reichen offenbar weit in die Führungsstrukturen des Konzerns hinein. So berichtet die Süddeutsche Zeitung , der ehemalige Finanzchef der Siemenssparte Com und ein weiterer Bereichsvorstand würden verdächtigt, ein geheimes Finanzsystem betrieben zu haben. Über dieses System sollen mindestens 20 Millionen Euro in schwarze Kassen geflossen sein, vermutlich dazu bestimmt, im Ausland Auftraggeber und Vermittler zu schmieren.

250 Beamte, 23 Staatsanwälte aus München und Bozen sowie drei Schweizer Bundesanwälte hatten in den vergangenen Tagen deshalb die Siemens-Konzernzentrale, Niederlassungen in der Umgebung von München und in Erlangen sowie Ableger in Österreich durchsucht und Computersysteme nach versteckten Daten durchforstet. Am Donnerstag wurden fünf Verdächtige verhaftet. Doch die Zahl der Beschuldigten soll sich nach weiteren Berichten noch auf zwölf erhöht haben. Unter ihnen sind offenbar sowohl Siemens-Mitarbeiter wie ehemalige Angestellte des Konzerns.

Die Dimension der Affäre ist noch nicht klar und auch nicht, wer profitiert hat. Haben die Beschuldigten das Geld für sich selbst abgezweigt, also unterschlagen? Oder geht es um Schmiergeldzahlungen, mit deren Hilfe Siemens im Ausland Aufträge zugeschanzt wurden? Immerhin ist Siemens in 190 Ländern aktiv, von den 475.000 Mitarbeitern arbeiten weniger als die Hälfte (162.000) in Deutschland. Und die Methode, Bakschisch für Wohlverhalten zu gewähren, war lange Zeit nicht nur bei Siemens ein übliches Verfahren. Der Staat förderte es sogar noch, indem er solche Zahlungen als abzugsfähig anerkannte.

Besonders, wenn es um Investitionsgüter wie Kraftwerke oder Mobilfunkeinrichtungen geht und staatliche oder halbstaatliche Unternehmen als Partner agieren, sind Schmiergeldzahlungen auch heute noch keine Seltenheit. So schreibt der Handelsblatt -Kommentator also: "Es bleibt freilich dabei, dass es in vielen Teilen dieser Welt bis heute unmöglich ist, ohne Gefälligkeit Geschäfte zu machen, nicht nur China-Reisende wissen dies."