"Der Weg nach vorn" - so lautet der Titel des heute veröffentlichten Berichts der Baker-Kommission zur Lage im Irak. Wohl eine angemessene Überschrift für einen Bericht, dessen Ergebnisse und Empfehlungen in den vergangenen Wochen wahrhaft messianisch erwartet worden waren. Jedoch waren viele Details in den vergangenen Monaten durchgesickert, so dass der Mangel an wirklichen Überraschungen nun nicht weiter verwundert.

Die Umstände im Irak seien "schlimm und sich weiter verschlechternd", enthielten das "Potenzial eines Regierungszusammenbruchs" und könnten letztlich in eine "humanitären Katastrophe" münden, heißt es im Bericht. Mit 79 Empfehlungen will die Baker-Kommission es Präsident George W. Bush ermöglichen, halbwegs Gesichts wahrend aus dem Chaos zu entkommen. " Wir fordern neue und verbesserte diplomatische und politische Bemühungen im Irak und der Region sowie einen Wandel der Hauptaufgabe der US-Kräfte im Irak, um es den Vereinigten Staaten zu ermöglichen, mit dem Abzug ihrer Kampftruppen aus dem Irak zu beginnen", schreibt das mit Demokraten und Republikanern gleichmäßig besetzte Gremium.

Im Zentrum des Berichts stehen drei Herangehensweisen, aufgeteilt in "interne" und "externe" Dimensionen. Die interne Dimension beinhaltet im Kern eine Änderung der Mission des amerikanischen Militärs und ist damit noch der am weitesten gehende und radikalste Vorschlag – wenn auch die Details längst in die öffentliche Diskussion Eingang gefunden haben. Jegliche Initiativen und Strategien sollten in Zukunft darauf ausgerichtet sein, die Iraker zu ermutigen, eigenmächtiger die Sicherheit des Landes zu verantworten und so "ihr Schicksal in die eigene Hand zu nehmen". Dazu müsse zunächst die irakische Armee sowohl quantitativ als auch qualitativ gestärkt werden.

Dies sei nur mit einer erheblich stärkeren Unterstützung seitens der US-Truppen zu gewährleisten, könnte aber im Erfolgsfall den Rückzug der eigentlichen Kampftruppen bis 2008 ermöglichen. Anschließend solle sich das US-Militär auf Beratungs-, Ausbildungs- und Unterstützungsfunktionen sowie schnelle Eingreiftruppen reduzieren. Anders gesagt: weg von Kampfeinsätzen, hin zu Ausbildung und Unterstützung der irakischen Truppen. Ein konkreter Abzugs-Zeitplan ist das noch nicht. Nur im Optimalfall, so der Baker-Bericht, solle ein Abzug im Jahr 2008 realisiert werden – und auch dann nur die eigentlichen Kampftruppen betreffend. Der irakischen Regierung solle allerdings klargemacht werden, dass sie "nicht endlos" mit militärischer Unterstützung rechnen solle.

Dennoch müsse die US-Administration weiterhin eng mit der irakischen Regierung kooperieren, um spezielle – und für das Überleben des Landes wichtige – Zielsetzungen baldmöglichst zu erreichen: die Aussöhnung zwischen Sunniten und Schiiten, die Wiederherstellung der Sicherheit oder die Überarbeitung der Verfassung. Konkrete eigene Zeitfenster sieht der Bericht auch hier nicht vor, sondern fordert, die von der irakischen Regierung selbst initiierten Zeitvorstellungen einzuhalten.

Der Druck auf die Regierung in Bagdad müsse jedoch erhöht werden: Lasse al-Maliki "sofortige Tatkraft" vermissen, solle über eine Bestrafung in Form von Kürzungen politischer, militärischer oder ökonomischer Unterstützung nachgedacht werden. Auch darüber war in Washington in den letzten Wochen bereits ausführlich diskutiert worden.