Da sage noch einer, fundamentale Daten hätten keine Auswirkungen auf die Finanzmärkte. Dass sie sehr wohl die Kurse beeinflussen und zwar über Landes- und Kontinentalgrenzen hinweg zeigen schon die vergangenen beiden Börsentage, an denen zwei Indikatoren aus den USA eindrucksvoll ihre Bedeutung demonstrierten.

Einer der beiden ist der am meisten überschätzte Konjunkturindikator der USA, wenn nicht sogar weltweit: Die Rede ist vom Chicago-Einkaufsmanagerindex, der am vergangenen Donnerstag veröffentlicht wurde. Er hat es wieder einmal allen gezeigt. Mit einem Wert von 49,9 fiel er erstmals seit dem Ende der letzten Rezession unter die magische Marke von 50 Punkten. Viele sagen, dies sei die Demarkationslinie zwischen Wachstum und Rezession.

Überschätzt wird die Aussagekraft des Chicago-Index, weil viele glauben, mit ihm könne ein weiterer Indikator vorhergesagt werden: der Einkaufsmanagerindex des Institute for Supply Management (ISM), der die Stimmung der Unternehmen im nichtverarbeitenden Gewerbe der USA widerspiegelt, vor allem im Bau- und Dienstleistungssektor. Der ISM-Index wird am Arbeitstag nach dem Chicago-Index veröffentlicht, und manchmal kann man seinen Wert mithilfe des Chicago-Index tatsächlich prognostizieren, häufig aber nicht. Selbst die Richtungsveränderung beider Indikatoren stimmt nur in zwei Dritteln aller Fälle überein. Der Grund dafür ist simpel: Die Wirtschaftsstruktur im Großraum Chicago ist aufgrund des industriellen Übergewichts dort nicht repräsentativ für die USA. Zudem werden für den Chicago-Index gerade einmal 200 Unternehmen befragt. Ungefähr 100 antworten und sie bewegen dann die globalen Finanzmärkte.

Am Donnerstag also lieferte dieser Index ein erstes konjunkturelles Warnsignal, und die Märkte reagierten gleich erschreckt. Zwar konnten sich die Kurse von ihren Tiefstständen wieder entfernen, aber ein Unbehagen blieb. So blickten die Marktteilnehmer gespannt auf die Veröffentlichung des ISM-Einkaufsmanagerindex, die am Freitag um 16 Uhr anstand.

Sie versetzte den Investoren einen neuen Schlag. Auch der ISM-Index, der im Gegensatz zum Chicago-Index eine gute Prognosekraft hat, fiel unter die Marke von 50. Die Mehrheit der Marktteilnehmer aber hatte einen Anstieg erwartet. Und als sei das noch nicht genug, stieg auch noch die Inflationskomponente überraschend an. Der Index signalisierte also eine schwache Konjunktur bei zunehmendem Inflationsdruck nicht gerade eine einfache Situation für die US-Notenbank.

Die Märkte reagierten prompt: Die europäischen Aktien gaben kräftig nach, allen voran der Eurostoxx-50-Index . Die US-Märkte verloren zwar auch, aber deutlich weniger. Somit stellt sich die Frage: War das nun Panik, oder steckt System dahinter?