Ich befürchte, dass diese Kolumne in dieser Woche nahezu ungelesen bleibt, vulgo: kaum geklickt wird. Warum? Na, weil Vorweihnachtszeit ist und all die Geschenke für Eltern, Kinder, Ehepartner, Verwandte und Bekannte besorgt sein wollen. Da bleibt zum Lesen kaum noch Zeit. Das ist natürlich schade, ja, im Grunde unverzeihlich. Denn es kann sich durchaus lohnen, etwas mehr Zeit und Muße für die Frage zu verwenden, was in diesem Jahr das richtige Geschenk sein könnte.

Bargeld zum Beispiel ist zwar nicht besonders originell, kommt aber in der Regel immer gut an. Vor allem Eltern sollten in diesem Jahr darüber nachdenken, ob sie ihren Nachwuchs besonders reichlich mit Geld beschenken möchten. Nicht etwa, damit sich der Filius das neueste technische Gerät zulegen kann, um Gottes Willen, nein. Vielmehr sind die im kommenden Jahr anstehenden Steueränderungen ein guter Grund für Eltern, jetzt schon Geld für Dinge bereitzustellen, die in ein paar Jahren finanziert werden müssen: Wenn Sohn oder Tochter die Schule verlässt, beispielsweise, müssen Fachausbildung oder gegebenenfalls Studium finanziert werden. Und steuerlich gesehen kann es sich lohnen, bereits jetzt die Weichen dafür zu stellen.

Weil im kommenden Jahr der Sparerfreibetrag deutlich sinkt und dann auch Durchschnittsverdiener und Kleinsparer damit rechnen müssen, bei ihren Kapitalerträgen zur Kasse gebeten zu werden, lässt sich durch eine solche Schenkung auch Geld sparen. Das klappt allerdings nur unter der Voraussetzung, dass Sohn oder Tochter nicht über ein nennenswertes eigenes Einkommen verfügen, etwa durch Nebenjobs. Die Rechnung geht so: Insgesamt kann der Nachwuchs bis 8501 Euro jährlich steuerfrei vereinnahmen, denn jedem Bürger, der steuerpflichtige Einkünfte erzielt, stehen neben dem Sparerfreibetrag auch ein Grundfreibetrag und ein Sonderausgabenpauschbetrag zu. Alles zusammen summiert sich genau auf 8501 Euro, und je geringer der Anteil des Arbeitseinkommens an diesem Betrag, desto mehr Kapitalerträge bleiben steuerfrei.

Erzielen die Kinder durch Zinsen oder Dividenden Erträge, die über dem Sparerfreibetrag von 750 Euro liegen, so führt die Bank Zinsabschlag- beziehungsweise Kapitalertragsteuer ab. Diese können die Eltern aber später durch ihre Einkommensteuererklärung wieder zurückholen, falls sie nicht schon vorher - der Einfachheit halber - eine so genannte Nichtveranlagungsbescheinigung für ihre Kinder beim Finanzamt beantragen. Wer ein solches Formular besitzt, erhält seine Kapitalerträge auch dann ohne Abzug ausbezahlt, wenn sie in der Summe höher sind als 750 Euro - wie gesagt, solange sie nicht höher ausfallen als die genannten 8501 Euro pro Jahr, und solange das Kind nicht zusätzlich ein paar Euro nebenbei durch einen Ferienjob oder das regelmäßige Austragen von Prospekten verdient.

Allerdings hat dieses Steuersparmodell noch mehr Tücken. Eine Fußangel hält das Sozialversicherungsrecht bereit: Kinder sind nämlich nur dann beitragsfrei in der gesetzlichen Krankenkasse der Eltern versichert, wenn sie nicht mehr als 5001 Euro pro Jahr verdienen - Arbeits- und Kapitaleinkünfte zusammengenommen. Dieser Betrag setzt sich zusammen aus einer Freigrenze von 350 Euro pro Monat, dem Sparerfreibetrag und der Werbungskostenpauschale von 51 Euro pro Jahr. Liegen die Einnahmen auch nur um einen Euro höher, muss sich der Filius selbst versichern, und das geht ins Geld.

Eine zweite Falle lauert beim Kindergeld, sofern der Nachwuchs schon volljährig ist. Erwachsene Kinder dürfen nämlich keine höheren Einkünfte als derzeit 7680 Euro pro Jahr haben, wollen die Eltern nicht den Anspruch auf Kindergeld während einer über das 18. Lebensjahr hinausgehenden Ausbildung verlieren. Zusätzlich verlören sie auch weitere Steuervorteile: die Kinder- und Ausbildungsfreibeträge und der Entlastungsbetrag für allein erziehende Singles mit Steuerklasse II. Fazit beider Einschränkungen: Weniger ist unter dem Strich mehr.